Bilanz : Stiftung Warentest: Bio ist nicht besser

Bioprodukte haben in Qualitätstests im Schnitt nicht besser abgeschnitten als herkömmliche Lebensmittel. Und diese sind im Schnitt 30 bis 50 Prozent billiger als die Biokost.

Svenja Markert

Die meisten Haushalte haben 2009 Bio-Lebensmittel gekauft. Ist gesünder und schmeckt besser, mag sich mancher beim Kauf gedacht haben. Das ist falsch, zeigt die Bilanz der Stiftung Warentest aus 85 Tests: Bioprodukte haben nach den Qualitätsurteilen im Schnitt nicht besser abgeschnitten als herkömmliche Lebensmittel. Und diese sind im Schnitt 30 bis 50 Prozent billiger als die Biokost. In den vergangenen Jahren haben besonders Babymenüs und natives Rapsöl der Bioproduzenten schlechte Noten erhalten. Bei den Tests zu Würzölen und frischer Vollmilch trumpften sie allerdings wieder auf. Die Warentester untersuchten insgesamt 249 biologische und 1007 konventionelle Lebensmittel unter anderem auf Schadstoffe sowie Keime und testeten Geruch und Geschmack.

Bei den Schadstoffen konnte die Bioware klar punkten. Zum Beispiel in Obst, Gemüse und Tee wurden bei drei von vier Produkten seit 2002 keine Pestizide mehr nachgewiesen. Allerdings lagen auch mehr als 90 Prozent der herkömmlichen Waren innerhalb der Grenzwerte und stellten kein Gesundheitsrisiko dar. Erst wenn die Höchstgrenzen massiv und auf Dauer überschritten werden, müssen sich Verbraucher sorgen machen.

Bei Geschmack und Geruch gab es im Schnitt etwas schlechtere Noten für Bioware. Auch fanden sich in den Öko-Produkten etwas mehr Keime. Der Unterschied ist jedoch gering – und das obwohl die Bioproduzenten in der Regel ohne Konservierungsstoffe auskommen.

Den Bioprodukten wird nachgesagt, besonders reich an bioaktiven Stoffen zu sein, die wiederum gesundheitsförderliche Wirkung haben sollen. Auch das bestätigte der Vergleich nicht: Die Herkunft – ob ökologisch oder konventionell – hat keinen Einfluss.

Auch wenn die Bilanz Öko-Anhänger enttäuschen mag, ergab der Bio-Check auch etwas Positives: Die Warentester fanden dort, wo Bio draufsteht, auch tatsächlich Bio vor. Zum Beispiel wurden Biolachse nicht wie viele andere mit zugesetzten Farbstoffen rosa nachgefärbt. Außerdem stehen die Produkte der Stiftung Warentest zufolge für ökologische, tiergerechte und nachhaltige Produktion. Diese Zusatzqualität wird in der Regel bei den Qualitätsurteilen nicht berücksichtigt. Genau das kritisiert Alexander Gerber vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft. „Wir fordern ganzheitliche Tests, ein guter Gesundheitswert liegt unserem Verständnis nach nur vor, wenn die Lebensmittelproduktion auch für die Umwelt gesund ist.“ Nach seiner Rechnung ist Bio somit doch besser als die Konkurrenz.

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