Wirtschaft : Bilfinger + Berger will aus den roten Zahlen

MANNHEIM (shf/HB).Mit verhaltener Zuversicht hat Vorstandsvorsitzender Christian Roth die Perspektiven der Mannheimer Bilfinger + Berger Bau AG und der Branche skizziert.Man sehe nach wie vor Chancen, 1998 wieder ein positives operatives Ergebnis zu erzielen, sagte er auf der gestrigen Hauptversammlung (HV).Die Qualität vergangener Jahre werde man aber vorerst nicht wieder erreichen.Bilfinger + Berger hatte 1997 aufgrund von Problemen bei mehreren Großprojekten und weiteren Strukturmaßnahmen überraschend einen operativen Verlust von rund 50 Mill.DM und einen Rückgang des Jahresüberschusses auf 41 (92) Mill.DM verbucht.

Ungeachtet dieses Einbruchs lobten die Sprecher der Kleinaktionäre die Leistung des Vorstandsvorsitzenden in den vergangenen beiden Jahrzehnten als einen "Glücksfall" für das Unternehmen.Zum Teil scharfe Kritik äußerten sie allerdings an der Informationspolitik im Zusammenhang mit den Problembaustellen."Ein Blitz kommt nicht aus heiterem Himmel, sondern mit einem Gewitter.Und dieses kündigt sich an", meinte Werner Futter von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Roth, der zum Jahresende in den Aufsichtsrat wechselt und den Vorstandsvorsitz an Herbert Bodner übergibt, bekräftigte, daß man die Vorgänge unmittelbar publiziert habe und im Falle der asiatischen Baustellen (nicht bilanzierte) Nachtragsforderungen geltend mache.

Ein Wachwechsel fand mit Ablauf der HV im Aufsichtsrat (AR) statt.Als Nachfolger für den Vorsitzenden Jürgen Sarrazin, der sein Mandat niederlegte, wurde Gert Becker zum neuen AR-Vorsitzenden gewählt.

In den ersten fünf Monaten sank die Inlandsleistung von B + B um 13 Prozent auf 1,55 Mrd.DM, während die Leistung im Ausland um 3 Prozent auf 1,95 Mrd.DM stieg.Der Auftragsbestand lag per Ende Mai mit 8,4 Mrd.DM um 15 Prozent unter Vorjahresniveau, der Auftragseingang sank um 12 Prozent auf 3,1 Mrd.DM.Für das Gesamtjahr erwartet Roth eine Leistung von 9,4 Mrd.DM (minus 2 Prozent), bei einem Auslandsanteil von 58 (52) Prozent.

Der Abschwung der deutschen Bauwirtschaft wird sich, wie Roth erwartet, fortsetzen und Betriebe zu weiteren Anpassungsmaßnahmen zwingen.Aufgrund der hohen Bruttolöhne sei die deutsche Bauindustrie gegenüber Anbietern aus Billiglohnländern in den meisten Sparten nicht mehr konkurrenzfähig."Wenn hier Politik und Verbände nicht schnellstens zu einem Konsens kommen, wird der Baumarkt weiter unter Strukturproblemen leiden, auch wenn die Bauinvestitionen wieder steigen", sagte er.

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