BIP im zweiten Quartal : Wachtums sinkt gegen Null

Die deutsche Wirtschaft dümpelt vor sich hin. Von April bis Juni wuchs sie um grade 0,1 Prozent. Der Staat erntet hingegen die Früchte des schwungvollen Jahresauftaktes.

Peter Knobloch

Auf 0,1 Prozent sank das Wachstum der deutschen Wirtschaft im zweiten Jahresquartal. Wie es vom statistischen Bundesamt in Wiesbaden hieß, hat sich "die Dynamik der deutschen Wirtschaft nach dem schwungvollen Jahresauftakt deutlich abgekühlt."

Dafür zog der Export wieder an: Im zweiten Quartal 2011 wurden 2,3 Prozent mehr Waren und Dienstleistungen ins Ausland verkauft, als im ersten Quartal. Im selben Zeitraum stiegen jedoch auch die Importe um 3,2 Prozent und damit noch kräftiger als die Exporte.

Deutlich machte sich auch der Ausstieg aus der Kernenergie bemerkbar: Strom wurde kaum noch exportiert, sondern musste verstärkt aus den Nachbarländern gekauft werden. Der im Vergleich zum Export höhere Import drückte auf den BIP.

Der schrumpfende Konsum dämpfte ebenfalls das Wirtschaftswachstum: Während die Ausgaben des Staates leicht ansteigen, (0,2 Prozent), ging der Privatkonsum um 0,7 Prozent zurück – zum ersten Mal seit dem Krisenjahr 2009. Die Statistiker erklären sie die Zurückhaltung der Kunden mit den gestiegenen Energiepreisen und der Verunsicherung der Konsumenten wegen der internationalen Schuldenkrise.

Auch die Anlageinvestitionen konnten insgesamt etwas zulegen. Mehr investiert wurde vor allem in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge. Es waren 1,7 Prozent mehr als im letzten Quartal. Etwas zurück gingen hingegen die Bauinvestitionen, um 0,9 Prozent. Das überraschte nicht nach dem außergewöhnlich starken Anstieg – von sieben Prozent – zum Jahresbeginn.

Eine positive Meldung von den Statistikern in Wiesbaden lautet: Die Defizitquote des Staates sank zur ersten Jahreshälfte 2011 auf 0,6 Prozent. Dies ist die niedrigste Quote seit dem ersten Krisenhalbjahr 2008. Nach den Maastrichter Verträge liegt die zulässige Obergrenze bei drei Prozent. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2010 lag die Quote noch noch 3,1 und im zweiten Halbjahr sogar noch bei 5,4 Prozent.

Die Haushalte von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen profitierten in der ersten Jahreshälfte 2011 insbesondere von einer vergleichsweise guten konjunkturellen Entwicklung. Sie konnte deutlich wachsende Einnahmen verbuchen, sechs Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2010. (Alle Zahlen vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden)

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