Wirtschaft : Bittere Weihnachtsmänner

Die Deutschen wollen mehr dunkle Schokolade / Das Wetter verdirbt die Lust auf Lebkuchen

Philipp Lichterbeck

Berlin - Früher nannte man sie „Herrenschokolade“. Damit war die Zielgruppe klar: Nur für ältere männliche Genießer war die Schokolade mit dem bitteren Geschmack gedacht. Sie hat einen hohen Anteil Kakaomasse (bis zu 99 Prozent), wird ohne Milch und mit kaum Zucker hergestellt. Weihnachtssüßigkeiten wurden daher fast nie aus Bitterschokolade gemacht. Noch vor fünf Jahren waren hierzulande ausschließlich Vollmilch-Weihnachtsmänner zu haben.

Doch der Geschmack hat sich geändert: Nikoläuse aus dunkler Schokolade sind in diesem Jahr gefragt wie nie. Das hat der internationale Süßwarenverband Sweets Global Network festgestellt. Damit liegen die Nikoläuse im Trend: Dunkle Schokolade verkauft sich so gut wie nie. Habe der Handel vor fünf Jahren nur drei Prozent seines Umsatzes mit Bitterschokolade gemacht, so seien es in diesem Jahr rund 15 Prozent.

Hinzu kommt, dass die Deutschen auch immer mehr hochwertige Schokolade essen. Der Anteil der Premium-Tafelschokoladen ist zwischen den Jahren 2000 und 2005 von rund 19,6 Prozent auf 29 Prozent gestiegen. Der Geschäftsführer von Sweets Global Network, Hans Strohmaier, führt den Anstieg auf das gestiegene Ernährungsbewusstsein der Deutschen zurück. Forscher wollen herausgefunden haben, dass Kakao gut für das Herzkreislaufsystem ist. Hinzu kämen die Schokoladenläden, die in den vergangenen Jahren in vielen Großstädten eröffneten. Dort werde man beraten und verköstigt wie in einer Weinhandlung. „Schokolade wird Lifestyle“, sagte Strohmaier dem Tagesspiegel.

Die Deutschen gehören ohnehin zu den größten Schokoladenliebhabern Europas. Durchschnittlich neun Kilo isst jeder Deutsche pro Jahr, das entspricht 90 Tafeln. Vor zehn Jahren waren es 84 Tafeln. Dennoch wird die Freude der rund 100 hiesigen Schokoladenhersteller getrübt vom frühlingshaften Wetter. „Niemand hat Lust auf Lebkuchen, wenn es warm ist“, sagte Strohmaier. Dementsprechend schlecht laufe das Geschäft mit dem Weihnachtsgebäck. „Bei typischen Geschenken wie Adventskalendern und Nikoläusen ist der Absatz aber auf dem gleichen Niveau wie vergangenes Jahr.“

Rund zehn Prozent des Gesamtumsatzes von 4,2 Milliarden Euro macht die Branche im Weihnachtsgeschäft.

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