Wirtschaft : BMG und Warner auf Fusionskurs

Musiksparten von Bertelsmann und AOL Time Warner suchen gemeinsamen Weg aus der Branchenkrise

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Berlin (mot). Die weltweite Krise des Musikgeschäfts setzt die großen PlattenKonzerne immer stärker unter Druck. In diesem Jahr werde der deutsche Audiomarkt noch einmal um 20 Prozent einbrechen, glaubt Thomas Stein, Präsident der deutschen Bertelsmann-Tochter BMG, die Künstler wie Pink, Carlos Santana und Avril Lavigne unter Vertrag hat. „Wir haben als Branche ein massives Problem“, sagte Stein am Dienstagabend in München. Zu schaffen macht den Unternehmen vor allem der illegale Vertrieb von Musik über das Internet. So wurden 2002 in Deutschland 259 Millionen CDs mit Musik aus dem Netz gebrannt – offiziell verkauft wurden dagegen nur 166 Millionen. Innerhalb von vier Jahren hat die Branche 40 Prozent ihres Umsatzes verloren.

Die zugespitzte Lage zwingt die Marktführer, ihre Fusionsgespräche voranzutreiben. Am weitesten scheinen die Verhandlungen zwischen BMG und Warner Music, der Musiksparte von AOL Time Warner, zu sein. Die amerikanische Tageszeitung „USA Today“ berichtet in ihrer Mittwochsausgabe, Warner (Madonna, Sean Paul) und BMG seien nach exklusiven Gesprächen zuversichtlich, bis Ende des Sommers ein Joint Venture auf die Beine zu stellen. Ziel des Gemeinschaftsunternehmens, an dem beide je zur Hälfte beteiligt sein sollen, sei eine Verringerung der Kosten. Dabei könne es auch einen finanziellen Ausgleich geben, zitiert das Blatt informierte Kreise.

Weder Bertelsmann noch Warner Music wollten den Bericht am Mittwoch kommentieren. „Die Marktsituation ist so anstrengend, dass jeder mit jedem überlegt, was es für Möglichkeiten gibt“, sagte BMG-Deutschland–Chef Stein lediglich. Ein Bertelsmann-Sprecher deutete an, die „Umdrehungsgeschwindigkeit“, mit der wechselnde Partner über Fusionen und Bündnisse im Musikgeschäft verhandelten, sei hoch. „Was sich heute als Lösung anbietet, ist morgen schon keine mehr.“ Angeblich müssen sich BMG und Warner Music nur noch über die Machtverteilung in dem neuen Musikkonzern einigen, die den globalen Marktanteilen entsprechen soll (siehe Grafik). BMG-Chef Rolf Schmidt-Holtz soll als Chairman und Warner-Music-Chef Roger Ames als Vorstand für das operative Geschäft im Gespräch sein.

In der anhaltenden Krise der Musikindustrie scheint sich BMG vergleichsweise gut zu behaupten. Dank des CD-Vermarktungs-Erfolges der TV-Show „Deutschland sucht den Superstar“ und international erfolgreichen Künstlern wie Pink und Santana sei der Umsatz im ersten Halbjahr um sechs Prozent gestiegen, teilte Thomas Stein mit. Der Markt sei im gleichen Zeitraum um 20 Prozent eingebrochen. In Deutschland erwarte BMG im Gesamtjahr einen „schön hübschen Gewinn“. Die Erlöse würden im höheren einstelligen Prozentbereich steigen. 2002 hatte BMG Deutschland einen Umsatz von 237 Millionen Euro erzielt. Offenbar zahlt sich der Sparkurs, den das Management seit zwei Jahren durchhält, aus. Stein reduzierte die Zahl der Beschäftigten um fast die Hälfte auf 320. Auch die Zahl der aktiven Künstler im Programm strich er von 240 auf 90 zusammen.

Universal nicht mehr im Fusionspoker

Aus dem Fusionspoker verabschiedet hat sich bis auf weiteres der Marktführer im Musikgeschäft Universal Music. Der hoch verschuldete Medienkonzern Vivendi Universal entschied am Mittwoch, auf einen Verkauf zu verzichten. Nach einem Bericht der „New York Times“ fürchtet der Vorstand, dass Universal Music (Limp Bizkit, Marilyn Manson, Ashanti) angesichts der Krise unter Wert verkauft werden könnte. Im Gespräch war ein Preis von fünf Milliarden Dollar. Vivendi hofft, dass die Musiksparte später zu attraktiveren Konditionen verkauft werden kann.

Das Bietergefecht um das neben der Musiksparte verbleibende Unterhaltungsgeschäft von Vivendi geht unterdessen weiter. Der Konzern reduzierte am Mittwoch laut „New York Times“ den Kreis der Interessenten. Die Offerte einer Investorengruppe unter Führung von Marvin Davis, ein Ölmilliardär, dem einst das Filmstudio 20th Century Fox gehörte, wurde zurückgewiesen. Im Rennen bleiben können jetzt noch Liberty Media, NBC, Metro-Goldwyn-Mayer, Viacom und eine Investorengruppe unter Führung von Edgar Bronfman, zu der auch die Kabelfernsehfirma Cablevision gehört. Sie müssen in zwei Wochen ein Gebot von mindestens 11,5 Milliarden Dollar für Universal Entertainment (Film- und Fernsehstudios, Kabelfernsehen, Freizeitparks) abgeben.

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