Wirtschaft : BMW bekommt einen neuen Chef

VW streicht jede fünfte Stelle im Management

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Berlin - Deutschlands profitabelster Autokonzern bekommt einen neuen Chef. Bei BMW wird am heutigen Donnerstag auf der Aufsichtsratssitzung voraussichtlich der Nachfolger für Vorstandschef Helmut Panke gekürt. Produktionsvorstand Norbert Reithofer soll seinen Posten übernehmen. Das berichtet das „Handelsblatt“ unter Berufung auf Firmenkreise.

Auch in den Führungsetagen der anderen Autokonzerne ist Bewegung: Bei Volkswagen wird auch das Management von den geplanten massiven Stellenkürzungen nicht verschont. Bereits am Dienstagabend hatte es eine Einigung bei Daimler-Chrysler gegeben. Nun kann Konzernchef Dieter Zetsche in Management und Verwaltung des Konzerns bis 2008 weltweit rund 6000 der 30 000 Stellen streichen, davon etwa 3200 in Deutschland.

Norbert Reithofer wird möglicherweise schon zum ersten September den Chefposten bei BMW übernehmen. Sein Vorgänger Panke scheidet aus, weil er im kommenden Frühjahr die firmeninterne Altersgrenze von 60 Jahren erreichen wird. „Reithofer wird zugetraut, den Vorstand am besten zu führen“, heißt es in Unternehmenskreisen. Im Gespräch für den Chefposten waren demnach auch Vertriebsvorstand Michael Ganal und Finanzchef Stefan Krause. Ausschlaggebend sei der „kollegiale Führungsstil“ des 50-jährigen Reithofer gewesen, heißt es in den Kreisen. Er gilt aber auch als Favorit von Aufsichtsratschef Joachim Milberg, der zuvor ebenfalls Produktions- und später Vorstandschef bei BMW war. Milberg ist Reithofers Doktorvater.

Panke steht seit 2002 an der Spitze von BMW. Vergeblich warb der BMW-Chef öffentlich um eine Vertragsverlängerung. „Ich bin gerne Kapitän“, sagte der BMW- Chef noch im März auf der Bilanzpressekonferenz an die Adresse des Aufsichtsrates, in dem die Familie Quandt als Großaktionär das Sagen hat. Doch die mochte die intern geltende Altersgrenze für Führungskräfte nicht außer Kraft setzen.

Reithofer übernimmt einen der erfolgreichsten und profitabelsten Autokonzerne der Welt. Seit dem Verkauf der britischen Rover-Gruppe im Jahr 2000 geht es steil bergauf. So ist BMW in der Ära Panke an seinem Erzrivalen Mercedes in Ertrag und Absatz vorbeigezogen. Noch vergangene Woche bekräftigte Panke, im laufenden Jahr ein Rekordergebnis von vier Milliarden Euro vor Steuern einfahren zu wollen. „BMW hat eine extrem effiziente Produktion. Das ist auch ein Verdienst Reithofers“, sagt Autoanalyst Georg Stürzer von der Hypo-Vereinsbank.

Bei Volkswagen fand die letzte Sitzung des Aufsichtsrats vor den in rund zwei Wochen beginnenden Werksferien bereits am Mittwoch statt. Ergebnisse der Besprechung wurden nicht mitgeteilt. Bei der Sitzung gab es nach Angaben von Teilnehmern keine Beschlüsse zur Restrukturierung in Deutschland, berichtet das „Handelsblatt“. Das Gremium ernannte aber für andere VW-Krisenherde Generalbevollmächtigte, die künftig als Mitglieder der Konzernleitung direkt an den Aufsichtsrat berichten können. So wird der für die Produktion bei VW zuständige Werner Neubauer Generalbevollmächtigter für den wichtigen Komponentenbereich mit allein 30 000 Mitarbeitern, der ehemalige österreichische Bundeskanzler Viktor Klima wird als Generalbevollmächtigter Südamerika verantworten und Winfried Vahland das China-Geschäft.

Den Sparplänen von VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard werden auch die Stellen von zahlreichen Topmanagern zum Opfer fallen. So soll jede fünfte Stelle auf der Führungsebene gestrichen werden. „Wir müssen auf allen Ebenen sparen. Die Größenordnung orientiert sich dabei an den Abbauplänen im Tarifbereich“, sagte ein VW-Sprecher. Bernhard hatte angekündigt, dass 20 000 der rund 100 000 westdeutschen Beschäftigten das Unternehmen verlassen sollen. Bernhard folgt damit dem Beispiel seines ehemaligen Chrysler-Kollegen Zetsche, der direkt nach seinem Amtsantritt bei Daimler-Chrysler einen Stellenabbau sowohl auf der Produktions- als auch auf der Verwaltungs- und Führungsebene verkündet hatte. fas/hof (HB)/Tsp

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