Wirtschaft : BMW verdient mit mehr Autos weniger Geld Hohe Rohstoffkosten belasten den Konzern

Nadine Oberhofer

München - Auch im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres bleibt BMW mit den Verkaufszahlen auf der Beschleunigungsspur, doch fällt der Gewinn hinter den Wert des Vorjahres zurück. Von Juli bis September 2005 fuhr der Konzern ein Vorsteuerergebnis von 647 Millionen Euro ein, knapp 17 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Analysten hatten im Schnitt mit hundert Millionen Euro mehr gerechnet. Zur Erklärung verwies BMW am Donnerstag vor allem auf die schwierigen Marktbedingungen: „Wir haben in diesem Jahr besondere externe Faktoren zu verdauen, die für jedes Unternehmen eine Herausforderung wären“, sagte der Vorstandsvorsitzende Helmut Panke. „Allen voran Währungseffekte durch den schwachen US-Dollar sowie gestiegene Preise für Rohöl, Kunststoff und Stahl.“

Die eigentliche Delle im Ergebnis brachte aber eine Wandelanleihe, die BMW 2003 auf seine Anteile am Unternehmen Rolls-Royce ausgegeben hatte. Sie kann in Aktien des Triebwerksherstellers getilgt werden. Weil dessen Kurs aber um 30 Prozent zulegte, muss BMW den Wert der ausgegebenen Anleihen teurer verbuchen. „Allein das hat das Ergebnis um 175 Millionen Euro geschmälert“, sagte Finanzvorstand Stefan Krause. Es sei aber kein realer, sondern nur ein Buchverlust. „Das hat nichts mit der operativen Stärke unseres Unternehmens zu tun“, bekräftigte auch Panke. „Wir steuern mit dynamischer Absatzentwicklung und mit Effizienzsteigerungen beim Einkauf gegen die Belastungen an“, sagte der Vorstandschef. Mit dem laufenden Geschäft zeigte er sich mehr als zufrieden. Knapp eine Million BMW, Mini und Rolls-Royce hat der Konzern in den ersten neun Monaten dieses Jahres verkauft. Die Erlöse in allen Sparten – vom Auto- und Motorrad-Bereich bis zum Leasinggeschäft – seien weiter angestiegen. Der Umsatz der Autosparte legte im dritten Quartal um 6,3 Prozent zu, die übrigen Bereiche wuchsen sogar zweistellig.

Gute Nachrichten kommen auch von der Motorradproduktion in Berlin. „Das Ergebnis im Bereich der Motorräder ist erstmals wieder positiv“, sagte Finanzvorstand Krause. Auf das bisherige Geschäftsjahr gerechnet hat die Sparte beim Vorsteuerergebnis um 49 Prozent zugelegt. Trotz eines insgesamt stagnierenden Marktes hat BMW mehr Zweiräder verkauft als zwischen Januar und September 2004. Dietmar Brohm, Sprecher des Werkes Spandau, führt das auf die Modelloffensive zurück, „schließlich haben wir in den letzten eineinhalb Jahren unsere Modellpalette komplett erneuert“. Mit den Produktionskapazitäten, die BMW am Standort Berlin aufgebaut habe, sei das Unternehmen für einen weiteren Absatzanstieg gerüstet. „Das muss sich nicht im Personal niederschlagen, aber wir können unsere Produktion durch flexible Arbeitszeitmodelle anpassen, wenn weiterhin mehr Motorräder nachgefragt werden.“

Der BMW-Konzern insgesamt bleibe auch 2006 mit „hohen einstelligen Zuwachsraten“ in der Erfolgsspur, prognostizierte der Vorstand. Der neue 1er laufe gut, der kleine Geländewagen X3 sei sogar „ausgesprochen erfolgreich“, und die 6er Baureihe verkaufe sich besser „als der SL und der CL der Konkurrenz von Daimler-Chrysler zusammen“, sagte Panke.

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