BNP Paribas : Auf dem Weg zur Spitze Europas

Holger Alich

Während anderswo die Banken ins Straucheln geraten, nutzt das nach Börsenwert größte französische Institut BNP Paribas die Krise, um auf Schnäppchenjagd zu gehen. So will die Bank die belgischen und luxemburgischen Aktivitäten des Allfinanzkonzerns Fortis kaufen. Die Mittel dazu hat sie allemal.

Nach neun Monaten weist die Bank einen Nettogewinn von 4,4 Milliarden Euro aus. „Unser Risikomanagement und das diversifizierte Geschäftsmodell machen den Unterschied“, sagt Bank-Chef Baudouin Prot. Während Institute wie die Deutsche Bank auf Gedeih und Verderb am Investmentbanking hängen, erwirtschaftet BNP Paribas sein Geld vor allem im stabilen Privatkundengeschäft. In Frankreich und Italien ist BNP Paribas hier schon ein führendes Institut. Mit dem Fortis-Kauf kommt nun Belgien hinzu.

Auch im Investmentbanking haben sich die Franzosen geschickter als viele Wettbewerber angestellt: Die Sparte hat bisher kein einziges Quartal Verluste gemacht. Das liegt unter anderem daran, dass die Bank – anders als die Deutsche Bank – so gut wie keinen Eigenhandel betreibt, sprich, auf Kosten der eigenen Bilanz mit Wertpapieren zockt. So finden sich vergleichsweise wenige zweitklassige US-Hypothekenkredite in der Bilanz der BNP Paribas.

Bank-Manager räumen hinter vorgehaltener Hand ein, dass auch ein Quäntchen Glück bei der Sache ist. So soll die Bank ein Projekt zur Entwicklung ihrer Immobilienaktivitäten gehabt haben. Bank-Aufsichtsratschef Michel Pébereau soll aber darauf gedrungen haben, dem Projekt keine Priorität einzuräumen. Die Entscheidung entpuppte sich als goldrichtig.

Nach der Übernahme von Fortis dürfte BNP Paribas noch gestärkt aus der Krise kommen. Denn dann verfügen die Franzosen über den größten Pool an Bankeinlagen aller europäischen Banken. Und das ist in Zeiten schwieriger Refinanzierungen für Bankgeschäfte ein echter Wettbewerbsvorteil.

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