Wirtschaft : Börse: Das Geld ist noch da

Henrik Mortsiefer

Wann hat der Neuen Markt endlich den Boden erreicht? Nach den vielen schmerzhaften Kursstürzen sollte es eigentlich bald so weit sein. Das haben wir im September letzten Jahres, Anfang dieses Jahres und vor zwei Wochen gedacht. Der Hoffnungsschimmer ist jedesmal wieder verblasst, die Trendwende ausgeblieben. Allein im März hat der Neue Markt noch einmal ein Viertel seines Wertes eingebüßt, und die Zwölf-Monats-Bilanz ist bekannt: 90 Prozent Minus. Einen weiteren Meilenstein des Crashs erlebten die Anleger am Dienstag, als der Nemax-50 zum ersten Mal unter die Marke von 1300 Zählern rauschte. Kein Wunder also, dass die Investoren, Fondsmanager und Analysten mit ihrem Latein am Ende sind.

Dabei liegen die Erklärungen für den erneuten Kursrutsch doch auf der Hand. Die US-Technologiebörse fällt, weil die Gewinnwarnungen großer High-Tech-Konzerne nicht abreißen; die Konjunktur schwächt sich nicht nur in den USA, sondern auch im Euro-Raum und nicht zuletzt in Deutschland ab. Und schließlich regt sich der Markt über eine Personalie auf, die eigentlich keiner Erwähnung bedürfte: Nach dem Rausschmiss beim Investmenthaus Julius Bär muss mit Kurt Ochner einer der mächtigsten Fondsmanager den Neuen Markt verlassen. Ein Guru weniger. Aber Ochner hatte mit seinem zuletzt arg gebeutelten Fonds das große Geld, um in einem kleinen Markt Kurse zu stützen - selbst wenn ihnen die Substanz fehlte. Nach seinem Abgang platzt auch diese Blase.

Zum Thema Online Spezial: New Economy Nasdaq, Rezessionsangst und gefallene Stars - erschöpfend erklärt wird die Verkaufspanik, die sich am Dienstag breit gemacht hat, damit nicht. Aber die Gemengelage zeigt, dass Negativ-Nachrichten immer noch viel stärker ins Gewicht fallen als die Zuversicht. Der Ausblick der Optimisten freilich, die die Kurse bald wieder steigen sehen, sollte ernster genommen werden. Es mag zynisch klingen, aber das Geld, das man den Anlegern am Neuen Markt aus der Tasche gezogen hat, ist noch da. Es ist nur in andere Taschen gewandert: in Geldmarktfonds, Anleihen und in die Kassen der Investmentgesellschaften. Sie verbuchen nach wie vor hohe Kapitalzuflüsse, weil die Deutschen für die Rente sparen, und sie warten auf ein Zeichen, dass sich Investitionen wieder lohnen. Spätestens wenn die Unternehmen ihre reduzierten Prognosen übertreffen, werden die Fonds wieder zuschlagen.

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