Wirtschaft : Börse ohne Verstand: Kopf oder Zahl?

HEIK AFHELDT

Wer da glaubt, an der Börse werde mit Aktien gehandelt, der irrt.In Wirklichkeit werden dort "Meinungen" verkauft und gekauft.So wird nun die jüngste kräftige Avance des Dow-Jones-Index über die 10 000er Marke als eine Reaktion auf die US-Arbeitslosenquote erklärt, die ein Rekordtief erreicht hat.Mag sein.Doch was verblüfft: Vor wenigen Monaten las man es genau andersherum.Da war der starke Rückgang der Arbeitslosenzahlen ein Alarmzeichen, das prompt die Kurse der Aktien kräftig nach unten drückte.Also alles nur eine Frage, wer an der Börse das Motto des Tages bestimmt, dem dann die Herde der Händler und Anleger kopflos folgt? Fast.

Die Bühnenbilder, vor denen sich die Kursfeuerwerke oder die Crashs abspielen, sind so komplex wie die Wirklichkeit.Sie lassen deshalb vielerlei krause oder lächerliche Interpretationen zu.Wer nichts mehr im Kopf hat, der zeichnet dann Charts nach der Melodei: Wenn an Ostern bei Neumond die 200-Tage-Linie eine Kopf-Schulter-Formation durchbohrt, dann sinken die Kurse.Wenn viele Marktteilnehmer diese unsinnige Meinung "kaufen", dann behält der Chartmacher recht.Sein Ruf als treffsicherer Medizinmann verbreitet sich übers Parkett, seine Herde wird größer.Auch der vielgerühmte Börsenguru André Kostolany gesteht, er habe sein Geld nicht an der Börse gemacht, sondern nur durch kluge Reden über die Börse.

Dennoch bleibt eines über den Börsentag hinaus gültig: Langfristig bestimmen die gewaltigen, immer stärker an die Börsen drängenden Gelder die Kurstendenz.Wenn rentable Alternativen fehlen, weil die Renditen der Rentenpapiere so niedrig sind, dann werden die Börsianer schon für positive Meinungen sorgen.Dann gilt der gute, alte Rat: Wer gut schlafen will, kauft Anleihen, wer gut essen will, kauft Aktien.

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