BÖRSEN Ausblick : Die relative Schönheit des Aktienmarktes

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Frankfurt am Main - Die 500 Milliarden-Euro-Geldspritze der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigt offensichtlich Wirkung. Zumindest indirekt auch an der Börse. Seit die Notenbanker den Banken im Dezember ihren Rekordkredit gewährt haben, betrachten die Börsianer die europäische Schuldenkrise deutlich entspannter. Selbst die Ratingagenturen dringen mit ihren Herabstufungen nicht mehr durch. Die Aktienkurse der Banktitel steigen wieder – auch in der Hoffnung darauf, dass die EZB im Februar erneut für drei Jahre einen ansehnlichen dreistelligen Milliardenkredit bereitstellt. Den können die Banken zum Kauf von Euro-Staatsanleihen nutzen. Was die Renditen drückt und den Aktienmarkt weiter beflügelt.

„Der Dax hat mit einem Plus von 7,7 Prozent den besten Jahresauftakt der letzten zehn Jahren verzeichnet“, konstatieren die Aktienstrategen der DZ Bank. Mit mehr als 6400 Punkten notiert der Deutsche Aktienindex so fest wie seit August 2011 nicht mehr. Es sei möglich, dass sich der Kursaufschwung fortsetze, trotz der verhaltenen Konjunkturprognose und der längst nicht gelösten Schuldenkrise, heißt es bei der DZ Bank. In den USA ist sogar vom besten Jahresstart der Börse seit 1987 die Rede. „Liquidität, Marktpsychologie und die relative Schönheit der Aktien- zu den Rentenmärkten sind der Treibsatz für die ersten Wochen des Jahres“, meint Eugen Keller vom Bankhaus Metzler. Bundesanleihen werfen kaum etwas ab, Tagesgeldkonten bringen nur überschaubaren Ertrag. „Aktien stehen hoch im Kurs, die Risikoneigung der Investoren steigt wieder und auch von der Inflationsseite droht auf kurze bis mittlere Sicht keine große Gefahr“, sagt Keller. Gleichwohl: Überschwänglich werden die Börsianer nicht. Denn wenn die Unternehmen ab Februar ihre Bilanzen auf den Tisch legen, dürfte sich die seit Herbst langsamer laufende Konjunktur bemerkbar machen.

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