BÖRSEN Ausblick : US-Banken öffnen Bücher

Markt wartet auf Zinsentscheidung der Fed

Henrik Mortsiefer
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Die Aktienmärkte haben in dieser Woche die Nerven der Anleger stark strapaziert. Am Montag sackte der Dax bis auf 7372 Punkte ab, stieg dann drei Tage später bis auf 7545, um am Freitag – nach einem Zwischentief bei 7445 Zählern – bei 7497 Punkten zu landen. Der Aktien-Seismograf zeigt an, wie unsicher die Investoren sind. Am Freitag trafen weitere Hiobsbotschaften ein: Der größte britische Hypothekenfinanzierer Northern Rock ist in die Schieflage geraten und der deutsche Baufinanzierungsdienstleister Interhyp schockte den Markt mit einer Gewinnwarnung. Keine guten Vorgaben also für die kommende Börsenwoche.

Die DZ-Bank-Experten raten deshalb kurzfristig zur Vorsicht. In den „nächsten vier bis sechs Wochen“ hält die Bank „weitere vorübergehende Kursrückschläge am deutschen Aktienmarkt für möglich“. Danach aber, so schlussfolgern die Experten aus früheren Finanzkrisen, sei der Weg wieder frei für eine Kurserholung. Unlängst hoben die Experten sogar ihre Dax-Prognose an. In einem Jahr sehen sie den deutschen Leitindex bei 8300 Punkten. Das entspräche von heute an gerechnet einem Gewinn von knapp elf Prozent.

Ob in der kommenden Woche schon ein Vorschuss zu haben ist, wird der Blick in die Bilanzen von vier großen US- Banken zeigen. Nach Lehman Brothers am Dienstag und Morgan Stanley am Mittwoch, stehen am Donnerstag die Quartalsberichte von Goldman Sachs und Bear Stearns auf dem Terminplan. Dann wird deutlich, wie tief die Banken in die Hypothekenkrise geraten sind. „Da wird es sicher die eine oder andere negative Überraschung geben“, meint Tobias Basse, Aktienstratege bei der NordLB.

Mit Spannung erwarten die Märkte auch die Sitzung der US-Notenbank Fed am Dienstag. Investoren erhoffen sich eine Antwort auf die Frage, wie die Fed auf die jüngsten Marktturbulenzen reagieren wird. Die wegen der Hypothekenkrise tief verunsicherten Anleger warten sehnsüchtig auf niedrigere Zinsen. Eine Leitzinssenkung um mindestens einen viertel Prozentpunkt auf dann fünf Prozent gilt mittlerweile als ausgemachte Sache – besonders nach den überraschend schwachen US-Arbeitsmarktdaten in der vergangenen Woche. „Sollten noch irgendwelche Zweifel an einer Zinssenkung bestanden haben, dürften diese nach dem Arbeitsmarktbericht verflogen sein“, sagte Nigel Gault, Volkswirt bei Global Insight.

Einige Beobachter erwarten sogar einen Zinsschnitt um 50 Basispunkte, andere sind skeptisch und gehen von zwei kleinen Schritten im September sowie im Oktober aus. Nur noch wenige erwarten unveränderte Leitzinsen. Ganz von der Hand zu weisen sind ihre Argumente aber nicht, hat doch die Fed noch nie die Zinsen gesenkt, wenn der Ölpreis im Bereich eines Allzeithochs lag. Spannend wird dann auch, wie der Markt auf die Fed-Entscheidung reagieren wird.

An der deutschen Börse gibt es kaum kursrelevante Termine. Allenfalls der monatliche Konjunkturbericht des Mannheimer ZEW-Instituts könnte die Aufmerksamkeit der Anleger wecken.

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