Wirtschaft : Börsenfieber: Der neue Bio-Rhythmus - Christoph Amend sucht nach Auswirkungen auf unseren Alltag

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Drei Buchstaben, die zeigen, wie die Zeiten sich gerade ändern: Bio.

Es ist noch gar nicht lange her, als große weiße Friedenstauben auf Wände gesprüht wurden, als die Menschen bei einer roten Ampel den Motor freiwillig ausmachten und kleine Kinder ihre Eltern beim Einkauf nervten: "Mama, ich mag aber nur Bio-Äpfel!" An Ostern gingen damals noch viele Menschen marschieren, viele wählten grün, und gegessen wurde Nahrung mit den drei Buchstaben. Das Leben schmeckte Bio: Bio-Müsli, Bio-Joghurt, Bio-Bio.

Doch irgendwann hatte sich das Kürzel ein wenig abgenutzt. So wie das Grün in der Politik zunehmend verblasste, so mussten auch die Äpfel nicht mehr Bio schmecken.

Und heute? Die drei Buchstaben sind zurück. Wie es sich für unsere Zeit gehört, sind sie notiert an der Börse. Bio-Technologie-Aktien sind spätestens seit der Entschlüsselung des Genoms ein Muss. Oder wie der Investor sagt: Biotech, selbstverständlich englisch ausgesprochen.

Wer hätte das gedacht, plötzlich ist das alte Müsli-Wort in aller Munde, und es klingt wieder so wahnsinnig modern, dass in Amerika seit kurzem eine ganze Zeitschrift erscheint, die gar nicht genug davon bekommen kann. "Technology Investor" heißt das Magazin, es wirbt für sich mit dem Satz "Wealth through investing in technology" - Wohlstand durch Technologie-Aktien. Und die Titelgeschichten im Heft sind in direkt amerikanischer Art überschrieben: "Why Biotech will bounce back" - warum Biotech-Aktien wieder steigen werden. Oder, noch direkter, mit einem kleinen Reim: "Companies conquering cancer cash in"; Firmen, die den Krebs besiegen, machen das große Geld.

Die Rückkehr in unseren Sprachschatz verdanken die drei Buchstaben also einem neuen Versprechen. Nicht mehr um Gesundheit und Wohlbefinden geht es den Bio-Fans des "Technology Investor", es geht darum, wieviel Geld sie damit an der Börse verdienen können. Das muss nichts Verwerfliches sein, mit ihren Investitionen kann geforscht werden. Und so lesen wir im Bio-Heft, dass in den USA bereits 92 Biotech-Medikamente durch die Gesundheits-Behörde anerkannt wurden. Dort geht man davon aus, dass sich die Zahl in den nächsten achtzehn Monaten noch einmal verdoppeln wird. Der Wert eines einzigen dieser Medikamente wird im Durchschnitt auf 100 Millionen Dollar geschätzt. Wie dichtet der Amerikaner? Companies conquering cancer cash in.

So laufen die Kürzel der Bio-Firmen auf den blauen Bändern der Nachrichten- und Wirtschaftssender, CRA für Craig Venters Celera Genomics, PEB für PE BioSystems oder die Firma Inhale, kurz INHL, die sich um unser aller Einatmen kümmern möchte. Inhale meldet, man habe eine Inhalier-Technologie erfunden, die bestimmte Medikamente direkt in die Lunge des Patienten transportiert. "Diabetiker", prophezeit der "Technology Investor", "werden wieder lächeln können."

Ach ja, haben Sie es schon bemerkt? Das blaue Band läuft jetzt auch durchs Morgenmagazin und im "Heute-Journal", wenn dort täglich zur Frankfurter Börse geschaltet wird. Man fragt sich, wie lange "Wetten, dass...?" noch darauf verzichten kann. Und da wir schon von den drei Buchstaben und vom Fernsehen sprechen: Wann eigentlich geht die Biolek-Aktie an den Markt?

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