Wirtschaft : Börsenfieber: Der Outsider: Am Ball bleiben

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Wir müssen noch einmal auf den Moment zu sprechen kommen, an dem die Börse den Profifußball in Deutschland verändert hat. Am vergangenen Dienstagvormittag um kurz nach elf Uhr faxte die Geschäftsführung von Borussia Dortmund folgende Mitteilung: "Der Spieler Heiko Herrlich, 28, ist an einem Gehirntumor erkrankt". So sei seine Sehstörung zu erklären, die ihn in den letzten Tagen vom Training und von der Teilnahme am letzten Pflichtspiel des BVB abgehalten hatte.

Eine gute Stunde später saß in der Kantine dieser Zeitung eine Wirtschaftsredakteurin neben einem Kollegen vom Sport, und beide diskutierten, wie man denn nun mit der Meldung umgehen sollte. Während des Essens reagierte der Markt. Die Aktie von Borussia Dortmund, die zu Handelsbeginn bei 9,45 Euro notiert wurde, fiel auf 9,30 Euro - der tiefste Stand seit dem Börsengang vor knapp drei Wochen.

Die Kollegin von der Wirtschaft sagte, dass solche Krankheitsberichte bei einem Top-Manager eines Unternehmens nie in die Öffentlichkeit gelangen, zumindest, bis nicht ein Nachfolger gefunden ist. Der Sport wiederum sagte, das Kapital eines Vereins seien nun mal vor allem die Spieler. Wenn dieser Wert sinke, müsse man die Aktionäre informieren, so unangenehm einem das auch sein mag.

Wenn es stimmt, dass der Markt immer Recht hat, dann sieht das Rechthaben in diesem Fall so aus: An jenem Dienstag konnte sich die Aktie von der Meldung nicht mehr erholen. Trotz einem Zwischenhoch von 9,50 landete sie am Ende des Tages beim Tiefstwert von 9,30. Und der Kurs der Aktie, einst mit elf Euro eingestiegen, dümpelt seitdem weiter vor sich hin.

Die Wahrheit liegt auf dem Platz, sagen Fußballer gerne. In der Geschäftsführung von Borussia Dortmund, dem ersten Verein in Deutschland, der an die Börse gegangen hat, merken sie gerade, dass ihre Wahrheit nun auch an einem anderen Ort verhandelt wird. Wer diese Woche den Dortmunder Kursverlauf beobachtet hat, konnte feststellen, dass der Markt sich von einem Sieg auf dem Platz nicht beeindrucken lässt. Am Wochenende hatte Dortmund noch Hertha BSC mit 2:0 geschlagen. Wie der Handel in Frankfurt am Montag früh reagierte? Mit lautem Jubel, Tröten und geschwenkten Fahnen in den Vereinsfarben schwarz-gelb? Keineswegs. Um 9 Uhr 5 wurde der Wert noch bei 9,65 Euro notiert - abends war er auf 9,42 gefallen.

Die Wahrheit liegt auf dem Parkett, und so gnadenlos und vielleicht ein bisschen kalt das klingen mag: Es geht der Börse da wie dem Sport. Gerechtigkeit muss man woanders suchen. Man muss sich nur an die beinahe perfekte Performance von Bayern München gegen Manchester erinnern, im Endspiel der Champions-League. Aber eben nur beinahe. Kurz vor Handelsschluss sah die Sache wieder anders aus.

Man kann dem Manager des FC Bayern vielleicht einiges vorwerfen, aber fehlende Cleverness wohl kaum. Man kann auch davon ausgehen, dass Uli Hoeness die Entwicklung der Dortmund-Aktie derzeit genau verfolgt. Schließlich sehen wir ihn oft im Fernsehen, dort wirbt er mit seinem Laptopfür einen Internet-Broker. Hoeness, der die Vermarktung des Fußballs immer vorangetrieben hat, hat schon vor langer Zeit gesagt, dass sein FC Bayern nicht an die Börse geht: "Ich will nicht den Kommerz um jeden Preis." Das klingt rührseliger, als er es wahrscheinlich gemeint hat. Der Mann kennt nur sein Kapital ziemlich genau. Man erinnere sich an die Abenteuer von Mario Basler, an die Schlägereien von Stefan Effenberg. Was meinen Sie, wie der Bayern-Kurs da abgestürzt wäre?

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