Wirtschaft : Börsenfusion: Frankfurt und London prüfen Zusammenschluss mit der Nasdaq

Die Börsen in Frankfurt am Main und London wollen nach ihrem geplanten Zusammenschluss zum Jahresende zügig die Ausweitung zu einem globalen Handelsplatz in Angriff nehmen. Dazu werde auch eine mögliche Fusion der künftigen iX (für international exchanges) mit der New Yorker Technologiebörse Nasdaq geprüft, betonte Deutsche-Börse-Chef Werner Seifert am Montag in Frankfurt. Er zeigte sich auch offen für ein späteres Zusammengehen mit der aus den Handelsplätzen Paris, Amsterdam und Brüssel entstehenden Börse Euronext.

Er machte zugleich deutlich, dass für iX "keine Assoziation", sondern nur eine Fusion mit anderen Handelsplätzen in Frage komme. Das sei so auch in den Absichtserklärungen mit den Börsen in Mailand und Madrid vorgesehen. Diese könnten iX bereits Anfang kommenden Jahres verstärken. Damit würde die neue Börse in Europa auf dem Kassamarkt einen Marktanteil von etwa 70 Prozent und auf dem Wachstumsmarkt einen Anteil von rund 90 Prozent erreichen.

Die Nasdaq sei der bestmögliche Partner für die internationale Expansion. Nach derzeitiger Planung soll mit der US-Technologiebörse zunächst ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet werden. Zusätzlich sind Überkreuzbeteiligungen vorgesehen. Auch in Asien soll Seifert zufolge langfristig ein strategischer Partner mit der Perspektive eines späteren Zusammengehens gefunden werden. Die Deutsche und die Londoner Börse (LSE) wollen ihre Aktionäre in den kommenden Wochen mit einer groß angelegten Werbeoffensive zur Zustimmung für das Fusionsvorhaben bewegen. Die Entscheidung soll am 14. September auf außerordentlichen Hauptversammlungen beider Häuser fallen. Seifert verteidigte die geplante Fusion erneut mit Hinweis auf die Notwendigkeit einer Konsolidierung in der europäischen Börsenlandschaft. Die neue Großbörse biete das Maximum dessen, was Marktteilnehmer, Investoren, Emittenten und Shareholder erwarten können". Auch der Finanzplatz Frankfurt werde durch den Zusammenschluss stabilisiert. Für die beiden Börsenorganisationen entstehe erhebliches Synergiepotenzial. So könnten ab 2002 jährliche Kosten von 83 Millionen Euro (162 Millionen Mark) gespart werden. Das entspreche mehr als der Hälfte der zusammengenommenen Vorsteuergewinne beider Börsen. Umsatzsynergien seien dabei noch nicht berücksichtigt.

Die Aufwendungen für die Fusion bezifferte Seifert demgegenüber auf 142 Millionen Euro (278 Millionen Mark). Davon sollen zwölf Millionen Euro an britische Börsenhändler gehen, um finanzielle Nachteile durch die Umstellung auf das deutsche elektronische Handelssystem Xetra zu vermeiden. Nach den Plänen beider Börsen soll die iX-Holdinggesellschaft ihren Sitz in London haben. Dort sollen auch die Standardwerte gehandelt werden. Die Wachstumswerte werden in Frankfurt gelistet. Als iX-Chef ist Seifert vorgesehen. LSE-Chef Don Cruickshank soll Chairman werden, was dem Aufsichtsratschef entspricht. Cruickshanks Stellvertreter soll Rolf Breuer werden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben