Wirtschaft : Bombardier geht in Frankfurt an die Börse

MONTREAL (jjm/HB).Der kanadische Verkehrstechnik-Konzern Bombardier Inc., Montreal, geht im September an die Frankfurter Börse, um seine zunehmende Präsenz auf dem deutschen Markt zu demonstrieren und um neue Anleger anzuziehen.Dies erklärte ihr Aufsichtsrats-Vorsitzender Laurent Beaudoin am Rande der Hauptversammlung.Das ehrgeizige Unternehmen, mit einer heutigen Marktkapitalisierung von rund 12,9 Mrd.kanadischen Dollar - allein seit Ende Januar ist der Börsenwert um 3,3 Mrd.gestiegen - will seinen Umsatz innerhalb der nächsten fünf Jahre von 8,5 Mrd.kanadischen Dollar auf 17 Mrd.erhöhen und dabei eine Vorsteuerrendite von neun Prozent (derzeit 7,4 Prozent) erreichen.

Nachdem bereits Aktien im Stuttgarter Freiverkehr gehandelt werden, habe sich Bombardier mit der Notierung in Frankfurt "bis auf Weiteres" gegen einen Gang an die Wall Street entschieden.Ohnehin seien "US-Anleger in ausreichendem Maße bei uns über Torontoer Börsenkäufe engagiert", betonte Beaudoin.Mit der Ausrichtung auf Frankfurt, so wird in der Branche vermutet, will man auch einer indirekten US-Beherrschung entgegentreten.

Bei der künftigen Expansion will das Unternehmen an der Richtschnur festhalten, wonach rund 50 Prozent des Weltumsatzes auf den Flugzeugbau entfallen, wozu ein Auftragspolster von 10,4 Mrd.kanadischen Dollar per Ende April, bei einem Umsatz von 4,6 Mrd.im letzten Jahr, besonders starke Impulse beiträgt.

Seit Übernahme der Deutsche Waggonbau AG (DWA) Ende 1997 hat sich das Auftragsvolumen im Bereich der Schienenfahrzeuge auf 6,5 Mrd.kanadische Dollar erhöht, verglichen mit einem Gruppenumsatz (ohne DWA) von 1,7 Mrd.im letzten Geschäftsjahr.Beim künftigen Wachstum setzt man, besonders hinsichtlich der DWA und ihrer Werke in den neuen Bundesländern, Tschechien und der Schweiz auf Abschlüsse in Mittel- und Osteuropa.Als Folge der DWA-Eingliederung sieht sich Bombardier jetzt als größter europäischer Anbieter von Schienenfahrzeugen.

Um europäische Märkte gezielter zu erschließen, hat man konzernintern neue Organisationszentren geschaffen, wobei die Werke in Deutschland, Österreich und Tschechien einer Kontinental-Gruppierung zugeordnet sind, während die Werke in Belgien, Frankreich, Großbritannien und der Schweiz der Atlantic Europe-Struktur unterstehen.Nach Jahren des ungestümen Wachstums tendierte der Absatz im Bereich der Freizeitfahrzeuge (Ski-Doo, Sea-Doo und geländegängige Fahrzeuge) 1997 erstmals schwächer.

Sowohl auf der HV als auch auf der anschließenden Pressekonferenz widersprach Konzernchef Beaudoin mit Nachdruck Unterstellungen, wonach Bombardier in den Genuß WTO-widriger Subventionen und bevorzugter Auftragsvergaben durch staatliche kanadische Stellen komme.So erziele das Unternehmen nur etwa vier Prozent seines Umsatzes in wehrtechnischen Bereichen, verglichen mit 35 Prozent beim brasilianischen Konkurrenten Embraer, 40 Prozent bei Boeing und gar 71 Prozent bei British Aerospace.

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