Wirtschaft : Bonner Konzern besitzt Grundstücke und Gebäude im Wert von knapp 35 Milliarden Mark

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Die Deutsche Telekom will sich von ihrem Immobilienbesitz im Wert von 35 Milliarden Mark trennen. Das berichtet die britische "Financial Times". Der Verkauf soll in den kommenden zwei bis fünf Jahren abgewickelt werden, um den Ausbau der Kerngeschäfte zu finanzieren und die Kapitalrentabilität zu verbessern, berichtete das Blatt. "Einen solchen Vorstandsbeschluss gibt es nicht", heißt es dagegen bei der Telekom. Es gehöre zu den Aufgaben der hundertprozentigen Telekom-Tochter De Te Immobilien und Service GmbH, Gebäude und Grundstücke der Telekom zu verwalten und auch nicht mehr benötigte Objekte zu verkaufen, "aber nicht in der genannten Größenordnung", sagte Telekom-Sprecher Stephan Broszio.

Die De Te Immobilien, gegründet 1996, hat 10 000 Mitarbeiter und bietet ihre Leistungen auch auf dem freien Markt an, betreut und entwickelt also auch Immobilien für Dritte. 62 Millionen Quadratmeter bewirtschaftete Fläche und 34 000 Objekte verteilt über die gesamte Bundesrepublik umfasst der Immobilienbesitz der Telekom. Er steht im Geschäftsbericht 1998 mit einem Buchwert von 34,5 Milliarden Mark. Zu diesen Immobilien gehören nicht nur Bürogebäude, Vermittlungseinrichtungen für Telekommunikation oder Fernmeldetürme sondern etwa auch Museen, Forschungseinrichtungen oder Wohnungen. De Te Immobilien setzte im vergangenen Jahr 7,7 Milliarden Mark um und erzielte ein Ergebnis nach Steuern von 173 Millionen Mark.

Im vergangenen Jahr waren Zweifel laut geworden, ob der Grundbesitz der Telekom 1995 in Erwartung eines boomenden Immobilienmarktes nicht zu überhöhten Werten in die Eröffnungsbilanz der Aktiengesellschaft eingetragen wurde. Der "Spiegel" berichtete, Immobilienexperten hätten einen Wertberichtigungsbedarf zwischen 3,5 Milliarden und 4,2 Milliarden Mark ermittelt. "Wir haben das nachprüfen lassen", sagte Telekom-Sprecher Ulrich Lissek. "Es besteht kein Wertberichtigungsbedarf."

Tatsächlich sinkt der Platzbedarf der Telekom. Moderne Vermittlungstechnik benötigt weniger Raum als die alten Anlagen, die Telekom baut weiter Arbeitsplätze ab - von 1993 bis heute reduzierte sich die Zahl der Mitarbeiter von 230 000 auf 170 000 - und legt Standorte zusammen. Auch gehört die Verwaltung von Immobilien nicht zum Kerngeschäft des ehemaligen Monopolisten. Es werfe auch geringere Erträge ab, begründet die "Financial Times" die Spekulation, der Bonner Konzern könnte sich vom Immobiliengeschäft nun trennen. Die Telekom habe die Beratungsgesellschaft Jones Lang La Salle gewonnen, die das Unternehmen bei der Transaktion beraten wolle. Die Deutsche Telekom stehe durch den immer härter werdenden Wettbewerb auf dem Telekommunikationsmarkt und die sinkenden Margen im Festnetz unter Druck, in schneller wachsende ausländische Märkte investieren zu müssen.

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