Wirtschaft : Borletti gegen Berggruen

Mailänder Warenhausbesitzer bietet auch für Karstadt - ohne große Chancen

Christoph Schlautmann (HB)

Düsseldorf - Der italienische Kaufhauskönig Maurizio Borletti will dem deutsch-amerikanischen Investor Nicolas Berggruen die Warenhauskette Karstadt vor der Nase wegschnappen. Das Mailänder Familienunternehmen legte Karstadts Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg eine Gegenofferte vor, wie dessen Sprecher sagte. Schon vergangene Woche hatte es Gerüchte gegeben, Borletti plane ein 100 Millionen Euro schweres Gegenangebot und werde die Offerte Berggruens damit um 30 Millionen Euro überbieten. Verhandlungskreise hatten da aber noch Skepsis geäußert. Schließlich war Borletti bei der ersten Bieterrunde Anfang Juni frühzeitig ausgeschieden, weil er trotz Unterstützung durch die Investmentbank Goldman Sachs nicht genug auf den Tisch legen konnte. Borletti wie Goldman sind Gesellschafter von Karstadts Vermieterkonsortium Highstreet, dem 86 der insgesamt 120 Warenhäuser gehören.

Nun aber hat Borletti einen neuen Geldgeber gefunden, wie das „Handelsblatt“ aus Verhandlungskreisen erfuhr. Den Großteil des notwendigen Kapitals will danach die US-Finanzgruppe Gordon Brothers zur Verfügung stellen, die zuletzt erfolglos versucht hatte, beim Woolworth-Verkauf zum Zuge zu kommen. Offiziell wollte sich Gordon dazu nicht äußern. Borletti, 42-jähriger Spross einer angesehenen Unternehmerdynastie, betreibt die Pariser Warenhauskette Printemps und den italienischen Wettbewerber La Rinascente. Am Karstadt-Vermieter Highstreet erwarb er 2008 knapp drei Prozent, gilt aber seitdem auch als Kaufinteressent für das operative Geschäft.

Nach Informationen des „Handelsblatts“ nahm Borletti zudem in den vergangenen Tagen Kontakt auf mit Metro-Vorstandschef Eckhard Cordes, dessen Warenhaustochter Kaufhof ebenfalls zum Verkauf steht. Es sei um die „Zukunft der deutschen Warenhauslandschaft“ gegangen, hieß es. Käme Borletti bei Karstadt zum Zuge, könnte es damit am Ende zu einem Zusammengehen der beiden Warenhausketten kommen.

Im Büro des Karstadt-Insolvenzverwalters will man davon nichts wissen. Es gebe einen notariell beurkundeten Kaufvertrag zugunsten Berggruens, sagte ein Sprecher. Zwar seien die darin vermerkten Vorbehalte noch nicht restlos beseitigt, die Verhandlungspartner aber auf der Zielgeraden. Hauptstreitpunkt ist die Weigerung von Highstreets Kreditgeber Valovis-Bank, die ausgehandelten Mietnachlässe für Karstadt verbindlich ins Grundbuch eintragen zu lassen.

Für Borlettis Vorstoß sieht Görg selbst dann wenig Chancen, wenn der Verkauf an Berggruen platzt. Bislang liege lediglich ein „Anschreiben“ des Italieners vor, das keine konkreten Bedingungen nennt. Um einen neuen Vertrag zu vereinbaren, müsste aber ein weiterer Insolvenzplan erstellt und die Gläubigerversammlung einberufen werden. „Dazu wären Wochen notwendig“, erklärt ein Görg-Sprecher. Karstadts Lieferanten und deren Kreditversicherer, glaubt er, würden eine erneute Verzögerung kaum noch mitmachen. Christoph Schlautmann (HB)

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