Wirtschaft : Boss-Chef Baldessarini verabschiedet sich

NAME

Von Claudia Keller

Sein klingt ungewöhnlich: schwäbisch-deutsch und weltläufig zugleich, bodenständig und kreativ. Und genau diese Mischung war Werner Baldessarinis Erfolgskonzept in den 27 Jahren, in denen er maßgeblich die Geschicke von Hugo Boss bestimmt hat. Mit Weltläufigkeit und Esprit, nüchternem Unternehmertum und Leidenschaft hat er den Metzinger Konzern als eines der wenigen deutschen Unternehmen an die Spitze der internationalen Modebranche geführt. Auf der Hauptversammlung am Dienstag in Stuttgart tritt Baldessarini als Vorstandsvorsitzender von Hugo Boss ab und wechselt in den Aufsichtsrat. Sein Nachfolger wird der 44-jährige Betriebswirt Bruno Sälzer, der im Moment die Nummer zwei im Vorstand ist.

Der gelernte Textilkaufmann Baldessarini, dessen Nachname von italienischen Großeltern stammt, hat als Verkäufer in einem Münchner Modehaus angefangen. Heute gilt er in der Branche als Star. Er selbst schätzt sich als „Glückskind“ ein, was seine Karriere angeht, und als gute Spürnase, was Trends betrifft. „Ich habe einen besonderen Geruchssinn für den Markt. Wenn ich durch New York laufe, sehe ich in drei Stunden so viel wie andere in acht Tagen.“

Seit einem Vierteljahrhundert bestimmt der 57-Jährige als kreativer Kopf die Boss-Kollektionen, seit 1988 ist er Vorstandsmitglied, seit 1998 Chef des Unternehmens. Mitte der Neunziger Jahre war er es, der darauf drängte, dass die Marke Boss in drei Teile zerlegt wurde: in die Kernmarke Boss, in die junge Kollektion Hugo und in die edle Linie Baldessarini. Die Dreiteilung ließ die Umsätze weiter wachsen. In seinen dreieinhalb Jahren als Vorstandschef steigerte Baldessarini den Umsatz um mehr als 400 Millionen Euro auf heute 1,1 Milliarden Euro. Die Zahl der Mitarbeiter verdoppelte sich.

Baldessarini hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er gerne einmal Gudrun Langrebe einkleiden würde. 2001 kam er mit dem Beginn der Damenkollektion seinem Wunsch einen großen Schritt näher. Auch wenn Boss Woman bisher noch Verluste schreibt, war die Expansion in die Damenmode nach Meinung der Branchenexperten richtig. Denn der Modemarkt für die Frauen ist rund doppelt so groß wie der für Herrenbekleidung. Auch bei Boss Woman ist sich Baldessarini mit der Mischung aus lässiger Eleganz, ungewöhnlichen Details und Konservatismus treu geblieben. Gar nicht leiden kann der Modeexperte, „wenn man etwas trägt, das die eigene Persönlichkeit verfremdet“. „Verkleiden“ nennt er das.

Kann einer, der sich schon mit elf Jahren für ausgefallene Hosen interessierte und mit 17 sein ganzes Lehrgeld in Krawatten steckte von heute auf morgen aus dem Modegeschäft aussteigen? Er wolle sich den „Luxusfaktor Zeit“ gönnen, sagt Baldessarini. Und außerdem: Auch weiterhin wird er sich um die nach ihm benannte Nobelmarke kümmern.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben