Brands4Friends : Einkaufen als Privileg

28.10.2010 11:04 UhrVon Laura Höflinger
Exklusiv-Shopping: Nur Club-Mitglieder dürfen den Calvin-Klein-Gürtel kaufen. Foto: AFP
Exklusiv-Shopping: Nur Club-Mitglieder dürfen den Calvin-Klein-Gürtel kaufen. - Foto: AFP

Berliner Brands4Friends verkauft Markenware online – und wächst rasant. Prinzip Nummer eins der Firma: Verknappung.

Berlin - Wenn seine Tochter morgens um sieben Uhr aufsteht, schaltet sie am Frühstückstisch als Erstes den Laptop ein, erzählt Brands4Friends-Chef Sergio Dias. Handtaschen und Jeans, Waschmaschinen oder CDs – sie prüft, was die Firma ihres Vaters heute online im Angebot hat. Immer handelt es sich dabei um Markenware, teils 70 Prozent günstiger als im Laden. Die Firma kauft Restlagerbestände auf und verkauft sie wieder im Internet. Allerdings mit ein paar Feinheiten. Denn wer anders als Dias Tochter erst um neun Uhr vorbeischaut, könnte Pech haben. Die neuen Nike-Sneaker beispielsweise könnten dann schon ausverkauft sein. Prinzip Nummer eins von Brands4Friends: Verknappung.

Es ist nie genug für alle da.

„Das weckt den Jagdinstinkt“, sagte ein Marketing-Mitglied am Dienstag, als die Firma ihr dreijähriges Bestehen feierte. 2007 ging der Shop online, 2008 lag der Umsatz schon bei 25 Millionen Euro, ein Jahr später waren es 80 Millionen Euro. „Wir werden mit Sicherheit auch dieses Jahr wieder mehr umsetzen“, sagt Constantin Bisanz, einer der vier Gründer des Berliner Unternehmens. Wie viel von den Millionen als Gewinn übrig bleiben, verrät er nicht. Nur so viel: „Wir sind nicht mehr auf Investoren angewiesen.“

Das Unternehmen gibt sich gerne etwas geheimnisvoll: Im Februar nächsten Jahres zieht die Firma innerhalb Berlins um. Wohin genau, wird zu angemessener Zeit „als Mitteilung“ bekannt gegeben, sagt die Sprecherin. Wie viele der Waren werden von den Kunden zurückgeschickt? „Keine Zahlen“, sagt Dias, um dann doch zu verraten: „Weit unter 30 Prozent.“

Der eigentliche Erfolg von Brands4Friends beruht auf Prinzip Nummer zwei: Exklusivität. Nur Mitglieder dürfen kaufen. Die anderen können nur raten, was im Online-Shop passiert. Wie bei einem guten Club üblich, kommt nur hinein, wer die Tür überwindet. Türsteher sind die Mitglieder selbst. Sie entscheiden, wer von der Warteliste hinein- rutscht oder an wen sie einladen. Einkaufen wird so zum Privileg.

Derzeit hat Brands4Friends Ableger in Großbritannien und Japan; in Deutschland ist man laut Dias unter den Shopping-Clubs Marktführer. 33 000 Artikel verschickt das Unternehmen pro Tag, und künftig sollen es mehr werden. Denn auch andere Unternehmen drängen auf den Markt – wie etwa Amazon, das gerade den Shopping-Club BuyVip gekauft hat. Der große Online-Konzern könnte laut Dias „mittelfristig eine Bedrohung werden“.

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