Wirtschaft : Brauereien: Den Kleinaktionären der Brau Holding schmeckt die Bierfusion nicht

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Einzelne Kleinaktionäre der zur Schörghuber-Gruppe zählenden Bayerische Brau Holding (BBH) AG, München, haben vor einer Fusion mit der Dortmunder Brau und Brunnen AG gewarnt. Das Unternehmen sei ein "Dauersanierungsfall", meinte ein Anteilseigner bei der Hauptversammlung am Mittwoch in München. Mit der geplanten Verschmelzung habe der Abstieg der Schörghuber-Unternehmensgruppe begonnen, unkte ein anderer, der Konzernchef Stefan Schörghuber "Größenwahn" vorwarf. Die Fusion sei nur ein genialer Zug des Brau und Brunnen-Hauptaktionärs Bayerische Hypotheken- und Vereinsbank AG, die damit Anteile an einem maroden Bierkonzern gegen wertvollere BBH-Aktien eintausche.

Viel bewirken werden die Warner jedoch angesichts der Anteilsverhältnisse nicht. Außenstehende Aktionäre halten lediglich 0,81 Prozent an der BBH. Über 99 Prozent liegen bei Stefan Schörghuber. Der wies alle Befürchtungen, die BBH steuere auf eine Pleite zu, und auch Vorwürfe, er verstoße gegen das Aktienrecht, als unbegründet zurück. Geforderte Detailinformationen zur geplanten Verschmelzung beider Konzerne zur größten Brauereigruppe Deutschlands gab er allerdings nicht. Die müssten erst von Prüferteams ermittelt werden und lägen gegen Ende des Jahres vor. Im März 2001 werde dann eine außerordentliche BBH-Hauptversammlung über das Zusammengehen mit Brau und Brunnen entscheiden. "Wir werden Sie ordentlich mit Papier zuschütten", versprach Schörghuber. Im übrigen gehe es bei der Bierfusion nicht um Hektoliter, sondern um Marktmacht. Kartellrechtliche Probleme erwartet der Konzernchef nicht. Obwohl das Wertverhältnis beider Partner erst noch ermittelt werden muss, werde die Hypovereinsbank, die 55 Prozent an Brau und Brunnen hält, seiner Einschätzung nach weniger als ein Fünftel der Anteile am später fusionierten Konzern besitzen. Die deutliche Mehrheit und industrielle Führung werde in München liegen.

Die BBH mit ihren Kernmarken Paulaner und Hacker-Pschorr dürfte ihren Umsatz 2000 durch die erstmalige Konsolidierung der Kulmbacher Brauerei von 540 auf 780 Millionen Mark steigern. Die seit Jahren defizitäre Brau und Brunnen setzte zuletzt 1,5 Milliarden Mark um.

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