Wirtschaft : Brauereifusion: Brauholding verhandelt mit Brau und Brunnen über Details - Aktionäre kritisch

Mit scharfer Kritik haben die Aktionäre die Dortmunder Brau und Brunnen AG auf ihrem Weg zur Fusion mit der Bayerischen Brau-Holding AG begleitet. Brau und Brunnen mit den Traditionsmarken "Jever" und "Schlösser Alt" sei ein "maroder Riese, mit dem es stetig bergab gehe", sagte Jörg Pluta von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) auf der Hauptversammlung des Konzerns am Donnerstag in Dortmund. Skeptisch beurteilten die Aktionärsvertreter auch die Fusion mit der Bayerischen Brau-Holding in München zu Deutschlands größtem Getränkekonzern.

Das neue Unternehmen werde nicht umhin kommen, Brauereien zu schließen und Stellen abzubauen, sagte Pluta. Eine Sprecherin der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) sagte. "Ich hoffe, dass sich niemand in München verschluckt". Ein Aktionär bezeichnete den Vorstandsvorsitzenden von Brau und Brunnen, Rainer Verstynen, gar als Erich Ribbeck der deutschen Brauereiwirtschaft.

Durch den Zusammenschluss mit der Brau-Holding der Münchener Schörghuber-Gruppe ("Paulaner") soll Deutschlands größter Getränkekonzern mit einem Absatz von zwölf Millionen Hektolitern Bier und sieben Millionen Hektolitern alkoholfreien Getränken entstehen. Zu Brau und Brunnen gehören nicht nur Jever, sondern auch die Berliner Schultheiss-Brauerei und die Marke Apollinaris. Die Fusion soll im kommenden Jahr rückwirkend zum 30. September 2000 erfolgen.

Im vergangenen Jahr hatte Brau und Brunnen einen Verlust von 86,8 Millionen Mark eingefahren. Das Jahresdefizit hatte sich damit fast versechsfacht. Der Vorstandsvorsitzende Rainer Verstynen wies die Verantwortung für die Verluste allerdings zurück. Der Ergebniseinbruch sei auf außerplanmäßige Abschreibungen und Wertberichtigungen zurückzuführen, die nicht absehbar gewesen seien. Ohne diese Sondereinflüsse hätte der Konzern einen Jahresüberschuss von 19,9 Millionen Mark ausgewiesen, sagte der Konzernchef vor 560 Aktionären.

"Die Schatten der Vergangenheit holten uns zum Ende des Geschäftsjahres 1999 ein", betonte Verstynen. Verantwortlich dafür sei der ehemalige Konzernchef Friedrich Ebeling. Bei drei Immobilienprojekten in Berlin habe er Risiken nur unzureichend bedacht, warf Aufsichtsratschef Dieter Rampl dem Ex-Vorstandschef vor. Wegen der Verluste wird Brau und Brunnen zum fünften Mal in Folge keine Dividende ausschütten. Die Dortmunden schleppen immer noch rund 350 Millionen Mark Bankschulden mit sich herum.

Ziel der Fusion mit der bayerischen Getränkeholding sei es, Brau und Brunnen als Ganzes zu erhalten, erklärte Rampl, der auch im Vorstand der Münchner Hypo-Vereinsbank (HVB) sitzt. Die Hypo-Vereinsbank ist an dem Dortmunder Konzern mit 55 Prozent beteiligt. Durch den Zusammenschluss entstünden Synergien und Kostenreduzierungen in den Bereichen Logistik, Vertrieb und Materialwirtschaft, sagte Verstynen. Der Abbau von Arbeitsplätzen solle "weitgehend vermieden" und die Vielfalt der bestehenden Marken erhalten werden.

In den nächsten Wochen werde ein Team beider Konzerne die Fusion vorbereiten. Die Ergebnisse sollen auf außerordentlichen Hauptversammlungen im März 2001 vorgestellt werden.

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