Wirtschaft : Briten haben Vorbehalte gegen deutsch-britische Börsenallianz - London will offenbar in Pfund handeln

Auch in Großbritannien wächst nun der Widerstand gegen die Börsenfusion zwischen London und Frankfurt. Nach Berichten britischer Zeitungen vom Donnerstag ist die London Stock Exchange (LSE) von ihrem ursprünglichen Ziel abgerückt, den Handel langfristig in Euro statt in Pfund abzuwickeln. Zunehmende Kritik gibt es auch an der geplanten Verlegung des Handels mit Wachstumstiteln nach Frankfurt und an der Übernahme der deutschen Handelsplattform Xetra. Ein Sprecher der LSE sagte jedoch am Donnerstag: "Wir sind sicher, dass wir bei unseren Mitgliedern die 75-prozentige Mehrheit für die Fusion bekommen werden, die wir brauchen." Bevor die Fusion verwirklicht werden könne, seien aber noch "eine Menge Gespräche" nötig.

Auf deutscher Seite hatte der stellvertretende Aufsichtsratschef der Deutschen Börse, Manfred Zaß, schon am Mittwoch gesagt: "Einer Fusion, die im Sinne des Kleingedruckten eine Übernahme Frankfurts durch London ist, werde ich nicht zustimmen." Immer mehr Details ließen auf eine Übernahme Frankfurts durch London schließen.

Die LSE bestritt am Donnerstag, beim Thema "Pfund oder Euro" ihre Linie geändert zu haben. Don Cruickshank, der designierte Aufsichtsratsvorsitzende des Gemeinschaftsunternehmens iX, habe schon immer gesagt, dass die Investoren jeweils selbst über die Währung entscheiden könnten, hieß es. Allerdings hatte Cruickshank am Mittwoch vor einem Parlamentsausschuss in London erstmals davon gesprochen, dass die Börse den Aktienkurs britischer Unternehmen auch dann zusätzlich in Pfund angeben werde, wenn sich das jeweilige Unternehmen für eine Auszeichnung in Euro entschieden habe. Der konservative Abgeordnete David Ruffley wurde im "Daily Telegraph" mit den Worten zitiert, durch die Fusion mit Frankfurt solle "der britischen Wirtschaft der Euro durch die Hintertür aufgezwungen" werden. Einige Investmentbanker und Finanzexperten befürchten, dass die Verlegung des Handels mit Wachstumswerten dem Finanzplatz London schaden wird. So warnte der Investmentbanker Philip Augar, der gesamte Technologiesektor könne sich nach Frankfurt verschieben.

Finanzkreisen zufolge hat der Chef der Deutschen Börse AG, Werner Seifert, dem Zentralbankrat der Deutschen Bundesbank den Plan zur Börsenfusion erläutert. Das Vorhaben sei im Zentralbankrat mehrheitlich sehr wohlwollend aufgenommen worden, hieß es in den Kreisen am Donnerstag. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es nicht.

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