Wirtschaft : Brot und Briefmarken

Die Post will keine Filialen mehr betreiben. Das sollen Supermärkte machen

Katja Reimann

Berlin - Die Deutsche Post will ihr Filialnetz bis 2011 komplett aufgeben. Posteigene Geschäftsstellen sollen in den kommenden Jahren schrittweise in private Partnerfilialen umgewandelt und in Läden des Einzelhandels integriert werden. Rund 2000 Mitarbeiter sind davon betroffen. „Momentan haben wir schon 7200 solcher Partnerfilialen“, sagte Deutsche Post-Sprecher Martin Dopychai dem Tagesspiegel. In den nächsten drei Jahren sollen auch die übrigen 750 Filialen von Einzelhändlern übernommen werden. Die betroffenen Mitarbeiter sollen eine „adäquate neue Beschäftigung“ finden.

Durch die Umwandlungen der Filialen wolle die Deutsche Post vor allem sparen, sagte Dopychai. Zudem hätten Poststellen in Supermärkten deutlich länger geöffnet. Mit der Umwandlung ihrer Filialen begann die Post bereits 1994 – und erntete dafür Kritik von Kunden und Verbraucherschützern.

„Wir kritisieren den Rückzug der Post aus dem Filialnetz“, sagte Cornelia Tausch von der Bundesverbraucherzentrale. Für die Verbraucher bedeuteten diese Veränderungen in jedem Fall geringere Leistungen, da nicht in jeder Partner-Filiale ein umfassender Service angeboten werden könne. Postbank-Kunden könnten nicht überall Einzahlungen oder Überweisungen vornehmen. Auch könnten nicht in jeder Partner-Filiale Pakete oder Einschreiben aufgegeben werden.

Zudem befürchtet Tausch, dass die Post in ländlichen Regionen keine geeigneten Partner im Einzelhandel finden wird: „Die sinkende Einzelhändlerdichte im ländlichen Raum bedeutet für die Post: weniger potenzielle Partner.“

Laut Gesetz muss die Post allerdings in jedem Wohngebiet mit mehr als 2000 Einwohnern eine Filiale garantieren. „Es wird Fälle geben, in denen wir keine Partner finden“, sagte Dopychai, versicherte aber: „Wenn wir dort einen Standort erhalten müssen, dann bleiben wir auf jeden Fall.“ Die 855 Postbank-Filialen sind von den geplanten Änderungen nicht betroffen. Auch alle der rund 100 000 Briefkästen in Deutschland sollen erhalten bleiben.

Carsten Kapf, Vorstandsmitglied beim Postagenturnehmerverband (PAGD), führte die langfristigen Pläne der Deutschen Post vor allem auf die Öffnung des Briefmarktes und das Ende des Post-Monopols Anfang dieses Jahres zurück. Die gesamte Branche befinde sich im Umbruch – und im Wettbewerb. Durch das Modell der Partner-Filialen entfallen bei der Post nicht nur Immobilien- , sondern auch Personalkosten. Kritik kam von der Kommunikationsgewerkschaft DPV (DPVKOM). Der Bundesvorsitzende Volker Geyer sagte, dies sei das völlig falsche Signal gegenüber Kunden und Beschäftigten. Kunden könne die Post auf Dauer nur dann halten, wenn sie den besten Service anbiete. „Das schafft sie nur mit eigenem, gut aus- und fortgebildetem Personal.“

Die deutschen Einzelhändler begrüßen das Geschäftsmodell der Post. Es habe sich in den vergangenen Jahren bewährt und komme bei den Kunden gut an, sagte Hubertus Pellengahr vom Hauptverband des deutschen Einzelhandels (HDE). Allerdings fordert der Verband eine angemessene finanzielle Beteiligung am Postgeschäft. Mit Läden, die eine Poststelle in ihrem Geschäft eröffnen möchten, vereinbare die Post eine Grundvergütung, teilte der HDE mit. Zusätzlich zahle das Unternehmen für jede Transaktion, die in der Partner-Filiale stattfinde, wenn also Pakete aufgegeben oder Briefmarken gekauft werden.

Insgesamt unterhält die Deutsche Post rund 13 500 Filialen, private Partnerfilialen sowie kleine Servicestellen einberechnet. 12 500 Standorte sind gesetzlich vorgeschrieben. Auch die rund 200 Berliner Filialen sind zum großen Teil bereits in Supermärkte ausgelagert. Eine Ausnahme sind auch hier die 75 Postbankcenter, die in der Hauptstadt weiter bestehen bleiben sollen.

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