BRÜCKENTECHNOLOGIE : Methan kann als Stromspeicher Teil der Energiewende werden

Dass Erdgas eine wichtigere

Rolle in unserer Energieversorgung spielen wird, gilt als ausgemacht. Gaskraftwerke erzeugen im Vergleich zu Kohlekraftwerken relativ sauberen Strom. Auch können sie flexibel die schwankende Produktion von Wind- oder Solarstrom ausgleichen. Doch wird sich die Zukunftsfähigkeit der Erdgasindustrie daran entscheiden, wie sie es mit den Erneuerbaren halten will. Denn trotz aller gegenteiliger Beteuerungen sieht die Branche die Erneuerbaren als

Konkurrenz im Wettbewerb um Marktanteile. Und ungeachtet der genannten Vorteile als „Brücke“ während der Transformationsphase bedeutet die Energiewende als solche, dass es auf der anderen Seite der „Brücke“ in einem zunehmend kohlenstofffreien Energiemix keinen Platz mehr für fossiles Erdgas und somit für die Erdgasunternehmen geben wird.

Die Erdgasunternehmen können versuchen, sich gegen eine solche Zukunft zu stemmen und den Ausbau der Erneuerbaren zu behindern. Oder aber sie unterziehen sich selbst einer nachhaltigen Transformation. Das bedeutet nicht so sehr, dass sie sich in Anbieter von Wind- und Sonnenenergie verwandeln müssten. Vielmehr haben sie auch als Gasunternehmen in einem kohlenstofffreien Energiemarkt gute Chancen – vorausgesetzt, sie ergreifen diese rechtzeitig.

Denn die Erdgasunternehmen

haben den Vorteil, dass ihr

Geschäftsmodell sowie ihre Pipelines, Speicher und Kraftwerke, die momentan auf den Betrieb mit Erdgas ausgerichtet sind, auch mit nicht-fossilem Gas funktionieren. Neben Biomethan, das aus organischer Biomasse gewonnen wird, bietet insbesondere das von der Fraunhofer-Gesellschaft entwickelte Konzept von erneuerbarem Methan die Chance für eine nachhaltige Zukunft der Gaswirtschaft. Bei diesem wird Wind- und Sonnenenergie zur Elektrolyse von Wasser eingesetzt und der dabei entstehende Wasserstoff mit Kohlendioxid in Methan umgewandelt. Erneuerbares Methan stellt dadurch eine Speichermöglichkeit für zeitweilig überschüssigen erneuerbar erzeugten Strom dar, und seine Verbrennung setzt klimafreundlich nur das CO2 frei, das zu seiner Erzeugung verwendet wurde. Wenn Erdgasunternehmen diese Chancen ergreifen, haben sie auch auf der anderen Seite der „Brücke“ noch eine Zukunft. Marcel Viëtor

Der Autor ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik und Autor des soeben erschienen Buches „Energiesicherheit für Europa. Kernenergie und Erdgas als Brückentechnologien“.

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