Wirtschaft : Brüssel verhagelt der Post die Bilanz

Beihilfenrückzahlung drückt das Ergebnis / Post-Chef Zumwinkel kündigt Preissteigerungen an

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Frankfurt (Main) (ro). Die Deutsche Post World Net rechnet nicht mehr mit einer Steigerung ihres Betriebsergebnisses in diesem Jahr. Vorstandschef Klaus Zumwinkel erwartet nach der Beihilfe-Auflage aus Brüssel, nach der Vorgabe der Regulierungsbehörde, das Porto für Briefe und Postkarten zu senken und wegen der schwachen Konjunktur jetzt einen Rückgang des Überschusses um zehn bis 15 Prozent auf etwa zwei Milliarden Euro. Ende Juni hatte er noch eine leichte Steigerung des Betriebsergebnisses angekündigt. Der Umsatz soll in diesem Jahr bei knapp 40 Milliarden Euro liegen, schätzt die Post.

Im zweiten Quartal 2002 ist der operative Gewinn des Konzerns deutlich geschrumpft. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen betrug 487 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum lag der Wert noch bei 530 Millionen Euro. Vor allem wegen der erstmaligen Einbeziehung des Expressversenders DHL kletterte der Umsatz der Post von rund 8,6 auf 10,1 Milliarden Euro im Quartal und um 15 Prozent auf 19,4 Milliarden Euro im ersten Halbjahr insgesamt. 47 Prozent des Umsatzes erzielte die Post im Ausland. Die Finanzschulden wurden seit Jahresanfang um 400 Millionen auf jetzt 1,8 Milliarden Euro reduziert. Die Börse reagierte negativ auf die Zahlen. Die Post-Aktie gab bis zum Börsenschluss 5,61 Prozent auf 10,10 Euro ab.

Post-Chef Zumwinkel zeigte sich auf der Halbjahres-Pressekonferenz am Mittwoch in Frankfurt verärgert über die Eingriffe: „Die Politik und die Regulatorik hat der Deutschen Post zwei Schläge verpasst und dies hat uns Milliarden gekostet.“

Die Einbußen beim Börsenwert des Unternehmens beziffert Zumwinkel auf etwa 3,1 Milliarden Euro. Wegen der Beihilfe-Entscheidung der EU, nach der die Post über Jahre seinen Paketdienst mit Gewinnen aus dem Briefbereich quersubventioniert habe, muss die Post daneben außerordentliche Rückstellungen über 850 Millionen Euro bilden. Das ist der maximale Betrag, den die Post laut EU-Entscheidung an den Bund überweisen muss. Die Rückstellungen verursachen beim Konzerngewinn nach Steuern ein deutliches Minus von 257 Millionen Euro.

Die Post wird in Kürze gegen den Beihilfe-Spruch klagen: Zum einen gebe es grobe Verfahrensfehler, zum anderen habe die Post das Defizit aus dem Paketdienst Anfang der neunziger Jahre aus eigenen Erträgen gedeckt. „Wir haben nie einen Scheck von der Bundesregierung erhalten.“ Auch die von der Regulierungsbehörde verordnete Portosenkung sieht Zumwinkel kritisch. Dafür gebe es keinen wirtschaftlichen Spielraum. 2003 werde diese Entscheidung allein beim Briefporto zu einem Umsatzausfall von 300 Millionen Euro führen, bis Ende 2007 seien es insgesamt 1,5 Milliarden Euro.

Zum 1. Januar wird die Post das Briefporto von 56 auf 55 Cent senken. Die neuen Preise für Postkarten stehen jedoch noch nicht fest, sagte Zumwinkel. Im Gegenzug allerdings sollen etwa bisher kostenfreie Nachsende- oder Lageraufträge künftig je nach Laufzeit mehrere Euro kosten. Daneben will die Post in ihren Filialen postfremde Produkte verkaufen, ähnlich wie bisher schon bei Stromaufträgen.

Damit allein werden sich die Belastungen nach Angaben von Zumwinkel allerdings nicht auffangen lassen. Deshalb prüft die Post die Schließung von 1000 ihrer 13 000 Filialen. „Auch Arbeitsplätze stehen zur Disposition“. 10 000 Stellen, von denen Zumwinkel unlängst gesprochen hatte, seien aber nur eine rechnerische Größe, die dem Gegenwert von 300 Millionen Euro und damit dem Umsatzausfall aus dem niedrigeren Briefporto im kommenden Jahr entsprechen.

Große Hoffnungen setzt Zumwinkel auf das neue Programm „Star“, mit dem Kostensenkungen und Erträge etwa im Einkauf, in der Datenverarbeitung oder im Vertrieb umgesetzt werden sollen. Details will der Post-Chef erst im Herbst nennen. Generell will das Unternehmen die Nicht-Briefbereiche weiter ausbauen, wo derzeit bereits 71 Prozent der Umsätze erzielt werden. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Express-Dienstleister DHL, den die Post bis zum Jahresende komplett übernehmen und zum umsatzstärksten Bereich des Konzerns ausbauen will. DHL schreibt allerdings noch keine schwarzen Zahlen. Daneben will Zumwinkel die Briefaktivitäten der Post im Ausland verstärken.

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