Wirtschaft : Brüssel verteuert die Bananen in Deutschland

JAN DIRK HERBERMANN

GENF .Im Bananenkonflikt zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten von Amerika ist gestern eine neue Runde eingeläutet worden.Brüssel beantragte bei der Welthandelsorganisation (WTO) in Genf, einen Ausschuß einzusetzen, der die europäische Bananenmarktordnung überprüft.Gleichzeitig reichte auch Ecuador einen entsprechenden Antrag ein.Die USA und vier lateinamerikanische Staaten, unter anderem Ecuador, beschuldigen die Europäische Union, daß sie Bananen-Einfuhren aus ihren Anbaugebieten diskriminiere.

Unterstützung erfahren die fünf Länder von europäischen Konsumentenorganisationen wie der Bonner Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände (AGV).Laut deren Pressesprecherin Helga Kuhn werden die Preise für Bananen in Deutschland durch die EU-Regelung künstlich "um rund ein Drittel erhöht".Zur Zeit müssen Konsumenten in der Bundesrepublik nach Angaben der Verbraucherschützer zwischen 2,22 DM und 3,93 DM für ein Kilogramm bezahlen."Erst wenn die Europäische Union ihre Bananenmarktordnung radikal ändert, werden die Früchte in Deutschland deutlich billiger", erklärt Kuhn.Bananen seien eine der beliebtesten Früchte der Deutschen.

Der Konflikt zieht sich schon seit rund zehn Jahren in der WTO und deren Vorgänger, dem Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (GATT), hin.Seit dem vergangenen Jahr steuern die beiden Handelssupermächte USA und EU wegen der tropischen Frucht auf einen offenen Handelskrieg zu.1997 hatte das Schiedsgericht der WTO die erste EU-Bananenmarktordnung für unvereinbar mit den Welthandelsregeln erklärt.Der Grund: Das Regime diskriminiere Produzenten aus lateinamerikanischen Staaten zuungunsten von Exporteuren aus ehemaligen europäischen Kolonien, insbesondere aus der Karibik.

Brüssel modifizierte daraufhin seine Einfuhrordnung.Allerdings geht die neue Fassung den USA nicht weit genug.Die US-Handelsbeauftragte Rita Barshefsky sprach von "kosmetischen Änderungen", mit denen die protektionistische Politik Brüssels fortgeführt würde.Experten beziffern den Schaden, den US-Hersteller wie Chiquita und Dole durch die EU-Regelung erleiden, auf jährlich rund eine Milliarde Dollar.Die beiden amerikanischen Unternehmen unterhalten Bananenplantagen in den lateinamerikanischen Staaten, die von der EU-Ordnung betroffen sind.Auch der europäische Steuerzahler muß tief in die Tasche greifen: Laut AGV will die EU-Kommission die Bananenhändler aus EU- beziehungsweise afrikanischen Ländern mit rund 130 Mill.DM unterstützen.Mitte Dezember 1998 veröffentlichte Washington eine Liste mit europäischen Produkten im Wert von 1,5 Milliarden Dollar, auf die Strafzölle in Höhe von 100 Prozent erhoben werden sollen.Mit dieser Drohung wollen die USA Druck auf die Europäer ausüben, damit Brüssel seine Einfuhrordnung für die Bananen grundlegend ändert.Betroffen sind Produkte wie Käse, Kerzen, Kosmetika Handtaschen und Textilien.Deutsche Waren im Wert von etwa 100 Millionen Dollar sind aufgelistet.Nach amerikanischen Plänen könnten die Strafzölle am 3.März in Kraft treten.

Vergangene Woche schaltete sich auch das britische Handelsministerium in den Konflikt ein.Staatssekretär Brian Wilson forderte die USA auf, "die Konfrontationsstrategie" zu überdenken.Die EU-Bananenmarktordnung favorisiert auch Exporteure aus ehemaligen britischen Kolonien.Als eindeutiger Verlierer der Auseinandersetzung zwischen den USA und der EU gilt die Welthandeslorganisation.Sowohl die US-Handelsbeauftragte Barshefsky wie auch der für den Außaenhandel zuständige EU-Kommissar Sir Leon Brittan beschuldigen die andere Seite, die WTO zu schädigen.

Tatsächlich, so bestätigen Genfer Handelsdiplomaten, ramponieren beide Handelsblöcke die WTO.Die Europäer, weil sie sich weigert ihre offensichtlich WTO-unverträgliche Bananenmarktordnung zu ändern; die USA weil ihre Sanktionsdrohungen ebenfalls mit den Regeln der WTO unvereinbar sind.

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