Wirtschaft : Brunnen setzen erstmals über zehn Milliarden Liter ab

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Um 4,3 Prozent stieg der Absatz der deutschen Mineralbrunnen im vergangenen Jahr. "Dies bedeutet ein Rekordergebnis", sagte Helmut Ruhrmann, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Mineralbrunnen (VDM), am Dienstag in Berlin. Zum ersten Mal übersprang der Absatz die Marke von 10 Milliarden Litern. Getrieben wurde der Verbrauch durch das gute Sommerwetter und die wachsende Nachfrage nach gesunden Getränken. "Im laufenden Jahr kann dieses Niveau wahrscheinlich gehalten werden", sagte der Geschäftsführer des VDM, Wolfgang Stubbe. Eine Bedrohung durch die so genannten Soda-Streamer, die Leitungswasser Kohlensäure zusetzen, sehe er nicht.

Pro Kopf wurden 1999 in Deutschland 96,3 Liter Mineral- und Heilwasser und 28,3 Liter Erfrischungsgetränke aus Mineralwasser getrunken. Der anhaltende Preiskampf im Handel drücke jedoch die Umsätze, die mit einem Plus von 2,8 Prozent auf 4,9 Milliarden Mark deutlich hinter dem Absatzwachstum zurückblieben.

Den höchsten Marktanteil haben mit fast zwei Dritteln Mineralwässer mit klassischem Kohlensäuregehalt. Ihr Absatz stieg um 3,2 Prozent. Wesentlich stärker, nämlich um 7,1 Prozent zulegen konnten Mineralwässer mit reduziertem Kohlensäuregehalt. Sie haben einen Marktanteil von 31,8 Prozent. Ein Schattendasein führen kohlensäurefreie Wässer mit einem Absatzanteil von 0,7 Prozent. Sie legten allerdings um 17,1 Prozent zu, womit die Unternehmen auf die Importe solcher Wässer reagieren.

Die Verbraucher griffen verstärkt zu Schorlen, insbesondere mit Apfelsaft. Insgesamt konnten die Brunnen etwa 280 Millionen Liter oder über ein Drittel mehr Fruchtmischgetränke verkaufen. Weitere Getränke mit Tee oder Joghurt werden erprobt.

Importe und Exporte spielen in der Mineralwasserbranche kaum eine Rolle. Die Einfuhren lagen bei etwa 313 Millionen Litern oder einem Marktanteil von drei Prozent. Die Exporte stiegen zwar deutlich um 13,8 Prozent, bleiben aber mit einem Volumen von 65 Millionen Liter gering.

Die Genossenschaft Deutscher Brunnen (GDB), die das Pfandflaschensystem der deutschen Brunnen organisiert, führt mit einer leichten Kunstoff-Flasche im April eine neue Verpackungsform für Mineralwässer flächendeckend ein und erhofft sich davon einen Absatzschub. Nachdem der Marktführer Gerolsteiner vor einem Jahr bereits eine eigene PET-Flasche einführte, folgt nun der GDB. Zwölf Brunnen, die etwa ein Viertel der deutschen Abfüllleistung repräsentieren, beteiligen sich an der Einführung, sagt der GDB-Vorsitzende Andreas Rottke. Die nötigen Investitionen in Flaschen und Kästen bezifferte er mit 250 Millionen Mark. Darin sind nicht die Kosten für neue Abfüllanlagen enthalten. Die Kosten überstiegen jedoch keinesfalls die Investitionskraft der Brunnen. Auch kleinere Betriebe beteiligten sich an der Einführungsphase.

Kritisch zu sehen sei die Unterschreitung der gesetzlich vorgesehenen Mehrwegquote bei Getränkeverpackungen von 72 Prozent im Jahr 1997. Werde das Gesetz nicht geändert und käme es nicht zu einer Trendwende, sei bis Mitte 2001 mit einem Zwangspfand zu rechnen, sagte Rottke. Dies werde auch die Mineralbrunnen treffen, obwohl sie die Quote mehr als erfüllten. Doch sei eine kurzfristige Gesetzesänderung aus dem Umweltministerium zu erwarten.

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