Wirtschaft : BSE: Wurst-Fabrikanten in der Krise

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Die BSE-Krise hat zu ersten Entlassungen in der fleischverarbeitenden Industrie geführt. 300 Mitarbeiter der Wurstfabrik Höll aus dem Saar-Städtchen Illingen haben in diesen Tagen ihre Kündigung bekommen, zunächst geringfügig Beschäftigte und befristete Arbeitskräfte. Für weitere 500 der insgesamt rund 1000 Beschäftigten ist Kurzarbeit beantragt worden. Auch bei der Saarbrücker Fleischwarenfabrik Schröder soll in der nächsten Woche entschieden werden, ob Mitarbeiter entlassen werden. Höll und Schröder sind keine Einzelfälle. "Die meisten Unternehmen haben Kurzarbeit angemeldet", sagt Thomas Vogelsang, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Fleischwarenindustrie. Nach dem ersten BSE-Fall im November ist der Absatz stark zurückgegangen. Die Kaufzurückhaltung im traditionell schwachen Monat Januar sei extrem, sagt Vogelsang, dessen Verband gut 200 überwiegend mittelständische Unternehmen mit rund 85 000 Beschäftigten vertritt.

Die Wurstfabrik Höll hat es besonders hart erwischt. Lebensmittelkontrolleure hatten in Fleischwürsten der Firma Spuren von Rindfleisch gefunden. Was an sich noch nicht dramatisch ist, wäre die Wurst nicht als rindfleischfrei deklariert worden. Die hessische Sozialministerin Marlies Mosiek-Urban warnte danach per Pressemitteilung vor der Höll-Wurst. Die Folge ließ nicht lange auf sich warten: Der Umsatz des bislang erfolgreichen Familienunternehmens ist um zehn bis 20 Prozent eingebrochen. Höll-Geschäftsführer Jürgen Röhlinger sieht die Firma als Opfer einer Kampagne. "Das war bewusst diffamierend", sagt er. Eine Stellungnahme des Unternehmens habe die Ministerin nicht abgewartet. Den Vorwurf des Etikettenschwindels weist Röhlinger zurück. Rindfleisch verwende die Firma schon seit Anfang Dezember nicht mehr. Allerdings, so der Geschäftsführer, steckte die Fleischwurst in einem Rinderdarm. "Aber das ist nach Lebensmittelleitsätzen korrekt." Jetzt will er gegen das Ministerium klagen.

Die BSE-Krise hat vor allem Wurstproduzenten wie Höll getroffen. Nach Verbandsangaben ging der Umsatz in den letzten Wochen um bis zu 30 Prozent zurück. "Die Betriebe haben ihre Produktion stark zurückgefahren, Überstunden abgebaut und Arbeitnehmer in den Urlaub geschickt", sagt Verbandssprecher Vogelsang. "Ich rechne damit, dass weitere Arbeitsplätze gefährdet sind und auch einige Betriebe schließen müssen, wenn die Situation so bleibt." Die Betriebe selbst reagieren auf Anfragen gereizt. "Wir freuen uns über viele neue Kunden im Fachhandel", sagt ein westfälischer Wurstfabrikant ironisch, wünscht einen guten Tag und legt auf. Nach Auskunft eines Händlers liegen Tausende von Tonnen rindfleischhaltiger Wurst auf Halde - aber das will niemand offiziell bestätigen.

In der Krise sind aber nicht nur die Wurstproduzenten, sondern auch die Schlachtbetriebe. "Wir haben schon Anfang Dezember Antrag auf Kurzarbeit für zwei Betriebe gestellt", sagt Dirk Boie, Sprecher der Nordfleisch AG. Bei dem größten norddeutschen Schlachtunternehmen ist der Umsatz allein im Dezember um über 50 Prozent gesunken, nachdem auch fast alle ausländischen Abnehmer den Import von deutschem Rindfleisch gestoppt haben. Ähnlich sieht es beim Fleischkonzern Moksel aus. Hier sind rund 100 Beschäftigte eines reinen Rinderschlachtbetriebs in Buchloe bis auf weiteres auf Kurzarbeit gesetzt worden, weil nur noch halb so viele Rinder geschlachtet werden, wie vor der Krise. "Ob es Entlassungen geben wird, hängt davon ab, wie sich der Markt in den nächsten Wochen entwickelt", sagt Moksel-Sprecher Hans-Dieter Geiß.

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