Wirtschaft : Bürgerarbeit kein Job-Ersatz

DIW sieht darin keinen sinnvollen Weg zu weniger Arbeitslosen

BERLIN (jojo).Die sogenannte Bürgerarbeit ist nach Ansicht des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), kein geeigneter Weg, die Arbeitslosigkeit in Deutschland zu reduzieren.Die "Kommission für Zukunftsfragen der Freistaaten Bayern und Sachsen" hatte das Konzept empfohlen.Dabei sollte ehrenamtliche Arbeit staatlich gefördert werden - materiell und immateriell, etwa durch geldwerte Vorteile wie Anerkennung von Rentenansprüchen.Die Kommission wollte dadurch nicht nur offene Arbeitslosigkeit verhindern, sondern auch das Ehrenamt stärken und einen Teil des ungedeckten öffentlichen Bedarfs an Infrastruktur und sozialen Diensten durch die preiswerte Arbeit decken. Die Berliner Wirtschaftswissenschaftler hingegen sehen ehrenamtliche Arbeit stark mit der normalen Erwerbstätigkeit verbunden.Solches Engagement werde in der Regel nicht von Arbeitslosen als "Ersatz" für normale Arbeit ausgeübt.Darüber hinaus sei ehrenamtliche Arbeit stark mit dem Bildungsniveau verbunden.Etwa die Hälfte aller Westdeutschen mit Fach- oder allgemeiner Hochschulreife seien in irgendeiner Form ehrenamtlich tätig.Damit läge diese Gruppe um 12 Prozentpunkte über den Durchschnitt der Bevölkerung.Menschen mit Hauptschulabschluß oder ohne Schulabschluß seien deutlich unterdurchschnittlich ehrenamtlich engagiert. Gleiches gelte auch für den Berufsabschluß: "Das Engagement der Akademiker liegt in Westdeutschland um 16 Prozentpunkte über dem jeweiligen Durchschnitt", so das DIW in seinem jüngsten Wochenbericht.Menschen ohne Qualifikation seien unterdurchschnittlich aktiv.Das Fazit der Ökonomen: "Die wirklichen Problemgruppen des Arbeitsmarktes weisen nur ein sehr geringes ehrenamtliches Engagement auf." Ehrenamtliche Tätigkeit könne damit gerade im sozialen Bereich eine wichtige kontinuierliche Bereitstellung von Diensten nicht ersetzen."Sie scheint aber für qualifizierte Arbeitslose als vorübergehende Möglichkeit attraktiv zu sein, einer sinnstiftenden Tätigkeit nachzugehen", die zudem noch durch geldwerte Belohnungen attraktiv wird.Für schlecht qualifizierte Arbeitslose entstünde ein doppeltes Stigma: Sie hätten weder eine Erwerbsarbeit noch eine "Bürgerarbeit". Um Menschen zu "Bürgerarbeit" zu bewegen, bedürfe es erheblicher materieller Anreize - besonders bei weniger qualifizierten Arbeitslosen.Dann handele es sich allerdings nicht mehr um ehrenamtliche Tätigkeit im herkömmlichen Sinne. "Deshalb stellt sich die Frage, warum solche Arbeitsplätze nicht von privaten oder öffentlichen Unternehmen angeboten werden sollten, die dafür eine Lohnsubvention erhalten." Der derzeitige Mangel in der Jugend- und Altenarbeit sei jedenfalls nicht durch Bürgerarbeit auszugleichen.Vielmehr müßten andere Finanzierungsformen gefunden werden, etwa durch die Einführung einer Versicherungspflicht. In den alten Bundesländern war 1996 gut ein Drittel der Bevölkerung ehrenamtlich engagiert.Das waren fast zehn Prozentpunkte mehr als 1985.In Ostdeutschland betätigte sich rund ein Viertel.An der Spitze steht dabei die Mitarbeit in Vereinen, Verbänden und sozialen Diensten.Erst danach kommen Parteien, Bürgerinitiativen und die Kommunalpolitik.

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