Wirtschaft : Bundesbank behält in Euroland Einfluß

KLAUS DIETER OEHLER (MAIN)

FRANKFURT .Hans Tietmeyer wirkt zur Zeit lockerer denn je.Wo immer der Bundesbankpräsident auftritt, ist er zu Scherzen bereit, scheint mit sich und der Euro-Welt zufrieden.Amtsmüdigkeit, wie man sie ihm Ende 1996 noch unterstellt hatte, ist für den 66jährigen offensichtlich kein Thema.Er freut sich auf die Aufgabe als deutscher Vertreter in der Europäischen Zentralbank - selbst wenn diese ihm derzeit lange Sitzungstage und -Nächte beschert.

Häufiger als sonst ist er auch zu Gesprächen mit Journalisten bereit, erzählt gern über die ersten Erfahrungen im neuen Gremium und demonstriert ganz offen Zuversicht über den Euro, die Wirtschaftsentwicklung in Euroland - und die Zukunft der Deutschen Bundesbank.Der Präsident ist offenbar um einen neuen "Teamgeist" in "seiner" Bank bemüht.So etwa bei der traditionellen "Außensitzung" des Zentralbankrats bei der Stuttgarter Landeszentralbank.Nachdem Tietmeyer deutlich die Lage erklärt und die Fragen der Journalisten ausführlich beantwortet hatte, wollte er die Pressekoneferenz nicht schließen, ohne "die Herren auf dem Podium" nach Ergänzungen gefragt zu haben.Die Herren wollten nicht - schließlich hatte ihr Chef ihre Bedeutung auch für die Zukunft deutlich herausgestellt.Die Bundesbank, hatte Tietmeyer betont, werde auch nach dem 1.Januar 1999 die Geldpolitik in Europa noch mitbestimmen.Sicher, formal ist von da an die Europäische Zentralbank zuständig.Und er selbst als Vertreter der Bundesbank im Europäischen Zentralbankrat ist bei seiner Entscheidung unabhängig - "doch ich baue sehr auf die Beratung durch meine Kollegen im Bundesbank-Zentralbankrat", versicherte er.

Überhaupt sei das Verhältnis der EZB zu den nationalen Notenbanken nicht mit dem Verhältnis zwischen der Bundesbank und den Landeszentralbanken zu vergleichen.Die EZB sei eher wie die Bank deutscher Länder."Das heißt, es gibt eine Entscheidungszentrale, in der auch einige Ausführungen stattfinden.Aber rechtlich bleiben die nationalen Zentralbanken selbständig."

Und so werden auch die beiden neuen Direktoriumsmitglieder, der künftige Chefvolkswirt Hermann Remsperger und Vize-Präsident Jürgen Stark, keine "Ruheposten" antreten.Remsperger wird als Nachfolger von Otmar Issing vor allem die Bundesbank-Monatsberichte betreuen, in denen sich die Frankfurter Währungshüter mit der Lage in Deutschland befassen werden und dabei wie bisher Fehler der Finanzpolitik oder der Tarifpartner beleuchten.Auch sonst wird vieles unverändert bleiben.Die "Exekutiventscheidungen" bleiben bei den nationalen Notenbanken, erinnert Tietmeyer.Hier gebe es zwar noch Diskussionen darüber, welche konkreten Aufgaben national und welche zentral übernommen werden - "die Annahme, daß der deutsche Zentralbankrat keine geldpolitische Entscheidungskompetenz mehr haben wird, ist aber nicht ganz richtig", betont Tietmeyer.Da die EZB zudem personell nicht gerade üppig ausgestattet wird, sieht man bei der Bundesbank auch keine Gefahr für die knapp 16 000 Beschäftigten.Sie werden sich auch in Euroland um die operative Abwicklung der Refinanzierungsgeschäfte mit den Geschäftsbanken, den Zahlungsverkehr, die Bankenaufsicht, die Ausgabe der Banknoten und die Funktion als Hausbank des Bundes sowie die Verwaltung der Währungsreserven kümmern.

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