Bundesbank-Bericht : Fehlende Arbeitskräfte senken Deflationsrisiko

In vielen Branchen ist der Arbeitsmarkt wie leergefegt. Arbeitgeber locken deshalb mit höheren Gehältern - das treibt die Preise in die Höhe, analysieren Bundesbank-Experten.

Noch Plätze frei. Unternehmen aus der IT-Branche berichten von vielen fehlenden Fachkräften.
Noch Plätze frei. Unternehmen aus der IT-Branche berichten von vielen fehlenden Fachkräften.Foto: dpa

Die Phase der extrem niedrigen Inflationsraten in Deutschland wird nach Überzeugung der Bundesbank bald überwunden. „Die zu erwartenden Verknappungen am Arbeitsmarkt werden sich nach der Prognose in höheren Lohnsteigerungen niederschlagen wie auch der neue allgemeine Mindestlohn“, teilte die Notenbank am Freitag bei der Vorlage ihrer Frühjahrsprognose in Frankfurt mit. Das werde den Preisauftrieb verstärken.

Die Notenbanker sagen für das laufende Jahr nach europäischer Berechnung einen Anstieg der Verbraucherpreise um 1,1 Prozent und für 2015 um 1,5 Prozent voraus. 2016 werde die Inflationsrate weiter auf 1,9 Prozent steigen. Im Mai war die Teuerung hierzulande nach dieser Berechnungsmethode auf 0,6 Prozent gesunken. Das hat Deflationssorgen verstärkt.

Binnenkonjuktur sorgt für zwei Prozent Wachstum

Gleichzeitig traut die Bundesbank der deutschen Wirtschaft in diesem und im kommenden Jahr ein kräftiges Wachstum zu. Auch wenn sich das hohe Tempo des ersten Quartals nicht halten lassen werde, werde das Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr um 1,9 Prozent und 2015 um 2,0 Prozent steigen.

„Neben der sich weiter verbessernden konjunkturellen Lage der Industrieländer und der graduellen Erholung des Euro-Raums spricht nicht zuletzt die gestärkte deutsche Binnenwirtschaft für einen soliden Wachstumskurs der deutschen Wirtschaft“, sagte Bundesbankpräsident Jens Weidmann.

Milder Winter dämpft Arbeitskostenanstieg

Mit anhaltendem Wirtschaftswachstum und Tariflohnsteigerungen erhöhen sich auch die Arbeitskosten. Der milde Winter hat diesen Anstieg allerdings im ersten Quartal dieses Jahres gedämpft. Die auf die Stunde gerechneten Bruttoverdienste und Lohnnebenkosten stiegen mit 1,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal so gering wie seit dem dem Sommer 2010 nicht mehr, berichtete das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden.

Wichtigster Grund war die witterungsbedingt um 22 Prozent gesunkene Zahl an Krankheitstagen. Dadurch fielen zum einen die Kosten für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, zum anderen stieg die Zahl der von den Beschäftigten geleisteten Arbeitsstunden.

Arbeitskosten in Griechenland stürzen ab

Im europäischen Vergleich wurde Arbeit in Deutschland jedoch schneller teurer als in den meisten anderen Ländern. Für Industrie und Dienstleistungen stiegen 2013 hierzulande die Kosten für eine Arbeitsstunde um 2,4 Prozent.

Der Durchschnitt in der EU wie auch im Euro-Gebiet lag hingegen nur bei 1,4 Prozent. Im Krisenstaat Griechenland fielen die Arbeitskosten im Jahresvergleich sogar um 8,8 Prozent. Höhere Kostensteigerungen als in Deutschland gab es insbesondere in den baltischen Staaten und den schwach entwickelten Volkswirtschaften in Südosteuropa. (dpa)

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