Wirtschaft : Bundesliga: Fußballaktien machen keinen Spaß

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Fußballaktien bereiten den Anlegern bisher noch keinen Grund zur Freude. Egal, wie viele Meistertitel schon errungen, wie viele Siege in Serie eingefahren wurden, die Aktien der großen europäischen Fußballclubs sind bis heute ein Fall für die medizinische Abteilung. Auf lange Sicht zumindest kennen die Anteilsscheine börsennotierter Vereine bislang nur den Weg in die Abstiegszone. Große Kursverluste musste beispielsweise der italienische Erstligist Lazio Rom hinnehmen. Das Hoch im Jahr 1998 bei über elf Euro ist schon lange Geschichte. Heute liegt das an der Mailänder Börse gehandelte Papier bei gerade mal 1,70 Euro. Anderen Vereinen geht es nicht besser: AS Rom, Ajax Amsterdam oder auch Borussia Dortmund - alle diese Vereine haben seit ihrem Börsengang deutliche Kursverluste eingefahren.

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Wird dann auch noch ein drohender Zahlungsausfall des Kirch-Konzerns für die Fußballübertragungsrechte der Bundesliga gemeldet, befürchteten Anleger schon das Schlimmste. Die Dortmund-Aktie reagierte am Donnerstag und fiel um über drei Prozent auf 5,50 Euro. "Solche Nachrichten sind für ein Unternehmen wie Borussia Dortmund natürlich erst einmal nicht erfreulich", sagt Ernst Scheerer, Analyst bei Dresdner Kleinwort Wasserstein. Aber ganz so schlimm sei es dann doch nicht. Der Verein bestreitet derzeit zwar 20 Prozent seines Umsatzes aus den Übertragungsrechen. Doch Scheerer befürchtet keinen kompletten Einnahmeausfall.

Auch Paul Sibianu, Analyst bei der WGZ-Bank, sieht noch keine ernsthafte Gefahr. "Das Geschäft mit den Fußballübertragungsrechten ist viel zu lukrativ, als dass sich das jemand durch die Lappen gehen lassen würde", sagt er. "Wenn weniger für die Rechte gezahlt würde, würde das zwar auch die großen Vereine wie Borussia Dortmund, Bayern München oder Bayer Leverkusen treffen, aber sie könnten damit leben", sagt Sibianu. Bedrohlicher werde es für kleinere Vereine, für die die TV-Rechte fast die einzige Einnahmequelle sind.

Die Großen hingegen erschließen immer neue Einnahmequellen. Das soll die Lösung eines Problems sein, das den Clubs und ihren Anlegern größere Magenschmerzen bereitet als die Fernsehrechte: "Der wirtschaftliche Erfolg von Fußballvereinen hängt zu sehr vom sportlichen Erfolg ab", sagt Analyst Scheerer. Verletzungen wichtiger Spieler, Niederlagen oder Siege schlagen sich vor allem kurzfristig auf den Kurs nieder. "Die Anleger bekommen oft nach Niederlagen zittrige Hände", sagt Sibianu. Zudem drücken immer höhere Spielergehälter auf den Gewinn der Vereine.

Als Meister in der Erschließung neuer Einnahmequellen gilt Englands Nummer eins, Manchester United (ManU). Zwar ist auch ManU von Fernseheinnahmen und sportlichen Erfolgen abhängig, der Verein versucht sich allerdings auch in anderen Bereichen. So gibt er eine eigene Kreditkarte heraus und vermietet Räume seines Stadions für Feiern oder Konferenzen. Auch in Italien rechnen Experten mit rückläufigen Einnahmen aus dem Fernsehgeschäft. Und auch hier soll gegengesteuert werden. "Die beste Chance, das Konzept von ManU zu kopieren, hat Juventus Turin", sagt Andrew Burnett von Dresdner Kleinwort Wasserstein in London. Im Dezember wagte der italienische Club den Gang an die Mailänder Börse. Juventus plant, in nächster Zeit das Heimstadion zu kaufen und zu vermarkten. Außerdem soll am Stadtrand von Turin ein Unterhaltungszentrum gebaut werden. Für die Analysten der Researchfirma Actinvest ist die Orientierung am Geschäftsmodell von ManU ein Grund zum Kauf der Juventus-Aktie. Bisher jedoch konnten die Pläne des 25-maligen italienischen Meisters die Anleger nicht überzeugen. Vom Emissionskurs bei 3,70 Euro im Dezember 2001 ist die Aktie um 50 Cent nach unten gerutscht.

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