Wirtschaft : Bundesobligationen: Für Privatanleger uninteressant

Tom Schoenenberger

Bundesobligationen gelten als typische "Witwen- und Waisenpapiere". Weil hinter den Schuldverschreibungen die Bundesrepublik Deutschland als sichere Bank steht, ist das Verlustrisiko bei diesen festverzinslichen Wertpapieren praktisch gleich Null. Dieses Sicherheitsmerkmal ist für den Gesetzgeber Grund genug, Bundesobligationen als mündelsichere Anlageform für diejenigen zu genehmigen, die als Treuhänder das Vermögen Minderjähriger verwalten.

Interessant für Kleinanleger ist die Tatsache, dass der Erwerb ab einem Betrag von 100 Euro möglich ist und die Papiere von der Bundesschuldenverwaltung kostenlos verwahrt werden. Bundesobligationen werden dem Privatanleger als Daueremission angeboten. Das bedeutet: Die Papiere können jederzeit ohne Nebenkosten zu einem vom Staat vorgegebenen Ausgabekurs erworben werden. Allerdings werden die Bundesobligationen erst sechs Monate nach der Ausgabe per Daueremission im Börsenhandel eingeführt. Bis dahin muss der Anleger die Papiere halten, wenn er sie vor ihrer Fälligkeit verkaufen will. Grafik: Rendite im Sinkflug Doch aus der "Witwen- und Waisen"-Geldanlage könnte bald schon das ungeliebte Stiefkind des Privatanlegers werden, denn in jüngster Vergangenheit haben sich die Konditionen deutlich verschlechtert. So wurde in den vergangenen beiden Jahren in zwei Schritten die Laufzeit von bisher fünf Jahren auf fünf Jahre und sechs Monate verlängert. Für die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland GmbH, die sämtliche Wertpapieremissionen des Bundes koordiniert, ein Zugeständnis an die institutionellen Anleger aus der Banken- und Versicherungsbranche. Weil diese Unternehmen Bundesobligationen nicht wie die Privatanleger bei der Daueremission kaufen können, müssen sie nach Abschluss der jeweiligen Ausgabeserie in Form eines Bieterverfahrens oder über die Rentenbörse einsteigen. "Damit haben die institutionellen Anleger nach Abschluss der jeweils sechsmonatigen Daueremissionen eine Laufzeit von exakt fünf Jahren", sagt ein Sprecher der Finanzagentur.

Für den privaten Anleger wird der Vergleich jedoch erschwert, weil sich die fünfeinhalbjährige Gesamtlaufzeit nur bedingt mit anderen Anlageformen, die auf exakt fünf oder sechs Jahre ausgelegt sind, messen lassen. Dass immerhin rund zwei Milliarden Mark pro Jahr über die Daueremission unter das Volk gebracht werden, kümmert die Verantwortlichen wenig. "Wir haben uns an den Bedürfnissen der großen Marktteilnehmer orientiert", gibt der Finanzagentur-Sprecher unumwunden zu. Schließlich werde im Bieterverfahren, das nach der Ausgabe an die Privatanleger stattfindet, ein Vielfaches an Volumen abgesetzt. Grafik: Rentablere Alternativen Mit der Laufzeit verlängerten die Konstrukteure der Obligationen auch das erste Zinsintervall. Die erste Zinszahlung erfolgt nicht nach einem Jahr, sondern erst nach 18 Monaten. Wer aus den Obligationen regelmäßige Zinszahlungen erwartet, gerät damit aus dem Tritt. Weil die erste Zinszahlung wegen des längeren Zeitraums höher als die restlichen Ausschüttungen ausfällt, kommt unter Umständen ein Problem mit dem Sparerfreibetrag hinzu. "Zinseinnahmen werden im Jahr der Auszahlung steuerlich relevant, und damit ist in ungünstigen Fällen ein Teil der ersten Ausschüttung steuerpflichtig", sagt Michael Schiller, Rentenanalyst bei der DG Bank.

Längere Laufzeiten und undurchsichtige Zinsintervalle ließen sich vom Anleger noch verschmerzen, wenn ihm im Gegenzug eine attraktive Rendite geboten würde. Doch hier erfüllt die staatliche Finanzagentur offensichtlich mit Engagement ihre Aufgaben, zu denen nach Aussagen von Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) auch die "Fortsetzung des Sparkurses der Bundesregierung" zählt. Mit einer Rendite von 3,86 Prozent liegt die aktuelle Daueremission rund 0,2 Prozentpunkte niedriger als börsengehandelte Bundesanleihen mit vergleichbarer Restlaufzeit.

Selbst die aktuell an der Börse notierte Bundesobligation mit einem Jahr weniger Restlaufzeit bringt mehr Rendite als die Daueremission. Im Klartext: Außerhalb der Börse verkauft der Finanzminister eine 100-Euro-Bundesobligation an private Anleger rund einen Euro teurer, als es ihm am regulären Kapitalmarkt möglich wäre. Bei einem Jahresvolumen von zwei Milliarden Euro ergibt sich daraus für den Staat immerhin ein zusätzlicher Gewinn von rund 20 Millionen Euro - auf Kosten der Kleinanleger, die niedrige Renditen und im Fall eines vorzeitigen Verkaufs über die Börse Kursverluste in Kauf nehmen müssen.

Anleihenexperte Schilling empfiehlt Anlegern daher, vor dem Kauf einer Bundesobligation aus der Daueremission des Bundes die Rendite mit derjenigen von ähnlich sicheren Wertpapieren zu vergleichen. "Pfandbriefe bringen derzeit bei vergleichbarer Sicherheit und Laufzeit jährlich rund 0,7 Prozentpunkte mehr", sagt Schilling. Einige Hypothekenbanken wie beispielsweise die DG Hyp bieten Privatanlegern die kostenlose Depotführung ihrer Pfandbriefe an. Dieser Gratis-Service gilt allerdings nur für die Papiere, die aus dem eigenen Haus stammen.

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