Wirtschaft : Bundesregierung hegt keine Zweifel an Eignung - Vorentscheidung am Wochenende

Ungeachtet kritischer Stimmen aus dem Ausland hält die Bundesregierung an der Kandidatur von Caio Koch-Weser für den Chefposten des International Währungsfonds (IWF) fest. Es gebe keine Gründe, an der Eignung des Staatssekretärs im Finanzministerium zu zweifeln, hieß es am Dienstag in Regierungskreisen in Berlin. In Regierungskreisen wird darauf hingewiesen, dass Deutschland seinen Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem IWF immer pünktlich nachkomme. Irgendwann sei der Zeitpunkt gekommen, an dem sich auch die Bundesrepublik selbstbewusster nach außen präsentiere und ebenfalls einen Anspruch auf Führungspositionen erhebe. Am Dienstag waren 42 Botschafter ins Kanzleramt einbestellt worden, um ihnen die deutschen Argumente für Koch-Weser zu erläutern. In einem Brief an die Staats- und Regierungschef hatte der Bundeskanzler bereits am 14. Januar um Unterstützung für Koch-Weser gebeten, der ein "hervorragend qualifizierter Kandidat", ein "kompetenter Ratgeber" und ein "durchsetzungsfähiger Verhandlungspartner" sei. Unterstützung erhielt er am Dienstag erstmals auch aus den Reihen der Opposition. "Koch-Weser ist ein hervorragender Kandidat", betonte der entwicklungspolitische Sprecher der CDU, Klaus-Jürgen Hedrich.

Eine Entscheidung über den neuen IWF-Chef wird nach Einschätzung der Bundesregierung frühestens nächste Woche fallen. In dem am Wochenende in Tokio stattfindenen G-7-Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs, an dem auch Koch-Weser teilnehmen wird, sieht man allerdings eine wichtige Vorstufe für die Wahl des deutschen Kandidaten. Im Vorfeld des Treffens haben die USA jedoch den deutschen Hoffnungen einen Dämpfer verpasst. Finanzminister Lawrence Summers hat klare Vorstellungen vom Format des künftigen IWF-Chefs. Der Nachfolger von Michel Camdessus als Geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds müsse die richtige Mischung aus Statur, Erfahrung, der Fähigkeit zu globaler Sicht und einer Verpflichtung gegenüber dem laufenden Reformprozess des IWF besitzen, heißt es in Washington. Er soll "eine starke Führungspersönlichkeit" sein. Nur eines vermeidet der amerikanische Finanzminister demonstrativ: sich auf einen der umlaufenden Kandidaten festzulegen. Gegen den deutschen Bewerber Caio Koch-Weser bringt Summers eher dumpfe Vorbehalte vor: Der ehemalige Weltbank-Vize verfüge über eine zu geringe Regierungserfahrung.

Frankreich gibt sich in der Debatte um die künftige IWF-Führung gelassen. Man habe mit Michel Camdessus lange Jahre den IWF-Chef gestellt und verfolge nun keine eigenen Ambitionen mehr, heißt es in Paris. Der Schlüssel zur Lösung des Problems liege in Washington oder London. In britischen Blättern werden stets vier Namen genannt, wenn es um die Nachfolge von IWF-Chef Camdessus geht. Dabei dreht es sich um Schatzkanzler Gordon Brown, um den Vizechef der Bank of England, Mervyn King, den ehemaligen Tory-Schatzkanzler Kenneth Clarke und den aktuellen Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) Andrew Crockett. Eine Außenseiterrolle nimmt der frühere israelische Notenbankchef Jakob A. Frenkel (57) ein. Frenkel, hat - obwohl er bis Mitte 1991 Chefvolkswirt des IWF war - in den Augen von Insidern einen großen Mangel: Er verfügt über keine Hausmacht im Währungsfonds.

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