Wirtschaft : Campari: Mailänder Getränkehersteller ist auf dem Weg zur Börse

Thomaso Eridani

Der italienische Getränkehersteller Davide Campari-Milano SpA plant sein Börsendebüt in Mailand. Trotz der verhaltenen Reaktionen, die Börsengängen in diesen Tagen zuteil werden, hofft das Unternehmen, noch am Tag seiner Erstnotierung Grund zum Feiern zu haben. Dabei setzt Campari vor allem auf die Zugkraft von Namen und Tradition. Auch die gesunden Finanzen sollen helfen, Investoren für die zu platzierenden 49 Prozent der Unternehmensanteile zu finden. Gleichwohl wird die Unternehmensgruppe, die vor allem für ihren gleichnamigen Apéritif bekannt ist, einige Bedenken auszuräumen haben. Angesichts der schwierigen Marktbedingungen und zögerlicher Investoren aus dem Einzelhandel dürften vor allem Zweifel in Hinblick auf Zeitpunkt des Börsengangs und die Preisspanne der Aktien angebracht sein.

Das 1860 gegründete Unternehmen baute lange Zeit ausschließlich auf eine einzige Marke und erweiterte seine Produktpalette erst nach 1990 um Weine und nicht alkoholische Getränke. Seine Expansion ließ sich Campari seit 1995 umgerechnet etwa 516,4 Millionen Euro kosten. Ein besonders großer Posten auf der Einkaufsliste war 1995 der Wermut- und Weinproduzent Cinzano, der von Diageo PLC erworben wurde.

Die Zeichnungsfrist für den bevorstehenden Börsengang begann am vergangenen Mittwoch und wird am 2. Juli ablaufen. Als Preisspanne sind 30 bis 38 Euro angesetzt. Dies steht für einen Unternehmenswert von 871 Millionen bis 1,1 Milliarden Euro und damit für den bislang bedeutendsten italienischen IPO in diesem Jahr. Mindestens 25 Prozent der auszugebenden Aktien sind für Anleger aus dem Einzelhandelsbereich reserviert. Deutsche Bank und UBS Warburg begleiten als Konsortialbanken den Börsengang, der in einem Punkt besonders ist: Campari zielt nicht auf die Aufstockung seiner Finanzen durch die Schaffung neuer Anteile, sondern bringt nur solche Beteiligungen an den Markt, von denen sich die Minderheitsgesellschafter trennen möchten. So verkauft die Luxemburger Holding-Gesellschaft Gioch SA ihren 14-prozentigen Anteil. Und die niederländische Lebensmittel-Gruppe Wessanen NV löst sich von ihrer 35-Prozent-Beteiligung, um sich der Nahrungsmittel-Branche stärker zuzuwenden.

An der Stellung der Eigentümerfamilie Gavoglia wird sich nichts ändern: Sie behält ihren beherrschenden Anteil von 51 Prozent. "Wir gehen nicht an die Börse, um neues Kapital zu beschaffen", sagt Marco Perelli Cippo, der Vorstandsvorsitzende von Campari. In einem Interview betonte er, dass das Unternehmen in der Lage sei, die geplanten Akquisitionen im Wert von 500 Millionen Euro aus eigenen Mitteln zu finanzieren. "Aber für kommende Unternehmenskäufe ist es sinnvoll, sich Aktionären zuzuwenden. Außerdem erhöht eine Börsennotierung die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit sowie die Professionalität unseres Managements", sagt Cippo. Kaum ein Investor bezweifelt die Stärken von Campari.

Doch viele stellen Fragen zur Angemessenheit des Ausgabepreises. Dies vor allem, weil acht der neun in diesem Jahr an die Börse gebrachten Unternehmen in Mailand derzeit unter ihrem Ausgabekurs notieren. "Über 34 Euro werde ich nicht kaufen", sagt Giovanni Vietti, der bei RAS Asset Management für italienische Werte zuständig ist. Bei einem Preis von unter 34 Euro habe das Unternehmen bezogen auf die Gewinne für 2001 ein faires Kurs-Gewinn-Verhältnis, was der Analyst bei 15 bis 16 veranschlagt. Damit läge Campari gleichauf mit Allied Domecq PLC, Pernod Ricard SA, Remy Cointreau und hinter dem Branchenführer Diagio. "Diese Unternehmen sind globaler ausgerichtet, doch Campari sollte es gelingen, weiterhin hohe Gewinne aus dem Inlandsgeschäft zu erzielen", meint Vietti. Campari konnte den Jahresumsatz für 2000 gegenüber dem Vorjahr um 19 Prozent auf 434 Millionen Euro steigern. Der Nettogewinn blieb im gleichen Zeitraum ungefähr konstant bei 52 Millionen Euro. Obwohl die Beobachter für die Entwicklung des Getränkesektors eher skeptisch sind, hat Campari auch für dieses Jahr eine leichte Umsatzsteigerung von vier Prozent angekündigt. "Der Cash Flow und die Gewinne sind exzellent", sagt Giovanni Fiocchi, Chef für italienische Wertpapiere bei dem Anlagehaus Leonardo Sgr. "Da jedoch viele Produkte in die Jahre gekommen sind, ist wirkliches Wachstum nur durch Akquisitionen möglich", sagt der Analyst. Aus diesem Grund sei es nicht gerade vorteilhaft, wenn der Börsengang statt zur Beschaffung neuen Kapitals vor allem dazu genutzt wird, dass Anteilseigner Kasse machen können.

Auch wenn Campari gemeinhin dafür geschätzt wird, Marken aus der zweiten oder dritten Reihe gewinnträchtig zu verwerten, glauben viele, dass dies nicht ausreicht. Das Unternehmen müsse sich vielmehr durch erstklassige Namen verstärken, meint Philip Hawkins von Merril Lynch in London. "Campari ist eine einzigartige Marke, aber der Bestand muss gestärkt werden", sagt der Spezialist für die Getränkeindustrie. Bei der anhaltenden Konsolidierung im Getränkesektor sollte es hinreichende Gelegenheiten geben, so der Analyst. Vor kurzem gab Remy Cointreau bekannt, sich möglicherweise von einigen Marken zu trennen. Auch Pernod Ricard und Diageo wollen große Namen verkaufen, um sich für 9,35 Milliarden Euro die Spirituosen-Sparte von Seagram leisten zu können. Vorstandschef Cippo verweist jedoch auf die exzessiven Preise, die für einmalige Marken gezahlt werden müssen.

Jedenfalls haben die mit dem Börsengang befassten Banken Vertrauen, dass Camparis guter Ruf und hohe Bekanntheit auch die zögerlichen Anleger aus dem Einzelhandelssektor vom Erfolg des IPO überzeugen können. Dem Hörgeräte-Hersteller Amlifon SpA war es in der vergangenen Woche jedenfalls nicht gelungen, alle für den Einzelhandel bestimmten Aktien zu plazierten. Gleichwohl waren die für institutionelle Anleger vorgesehenen Anteile zwölffach überzeichnet. "Der Börsengang wird ein Erfolg", sagt der Wertpapieranalyst Fiocchi optimistisch gestimmt voraus. "Die Aktie ist zwar kein Wachstumswert, aber eine defensive solide Anlage."

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