Cebit : Wie ein Fels

Die Hightech-Industrie startet ihre Fachmesse Cebit mit Zuversicht. Eine Umfrage zeigt: Junge Menschen finden das Internet wichtiger als einen Partner.

Corinna Visser
Cebit Foto: dpa
Auftakt der Cebit. Arnold Schwarzenegger und Angela Merkel eröffnen die Computermesse in Zeiten der Krise. -Foto: dpa

Hannover - Arnold Schwarzenegger enttäuscht sein Publikum nicht: „I''ll be back“, ruft der ehemalige Terminator in den Kuppelsaal des Kongresszentrums in Hannover und „hasta la vista, Baby“. Die Vertreter der Hightech-Industrie, die sich am Montagabend zur Eröffnung der Computermesse Cebit versammelt haben, quittieren es mit Applaus. Und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bedankt sich beim Gouverneur von Kalifornien, dass er ein bisschen amerikanischen Geist und Fröhlichkeit mit nach Deutschland gebracht habe.

Schwarzenegger ist mit einer Delegation von 50 Unternehmern nach Hannover gereist. Die Cebit, das sei eine Art Olympiade mit weniger Muskeln aber mehr Krawatten, sagt er. Er glaube fest an den Erfolg der Messe: Technologie, „das ist wo die Action ist“. Jetzt in der Krise sei genau der richtige Zeitpunkt für die Messe. Kalifornien ist in diesem Jahr Partnerland der Cebit. Bis Sonntag präsentieren sich insgesamt 4300 Aussteller – rund ein Viertel weniger als 2008.

Jeder, der ausstellt, sei herzlich willkommen, betont die Bundeskanzlerin. Die sicheren Investitionen für die Zukunft lägen in der Informations- und Kommunikationstechnik. Im Maßnahmenpaket der Bundesregierung zur Stimulierung der Wirtschaft habe diese Industrie daher ein wesentliches Kapitel bekommen. „Wir wollen vor allen Dingen eine flächendeckende Breitbandstrategie entwickeln“, sagt Merkel. Die Investitionen kämen zwar von den Unternehmen, der Staat müsse aber die richtigen Weichen stellen. Die Bundesregierung werde sich dafür einsetzen, dass frei werdende Rundfunkfrequenzen für die Breitbandversorgung genutzt werden können.

Bereits am Vormittag hatte der Hightech-Verband Bitkom die Breitbandstrategie der Bundesregierung gelobt, sie bringe die Industrie einen großen Schritt voran. Die Strategie sieht vor, dass Deutschland bis Ende 2010 flächendeckend mit Breitbandanschlüssen (DSL) versorgt wird. Zudem sollen bis 2014 zusätzlich 75 Prozent der Haushalte an noch leistungsfähigere Hochleistungsnetze angeschlossen sein. Die Telekom kündigte in Hannover an, in diesem Jahr weitere 300 Millionen Euro in ihr Hochleistungsnetz (VDSL) investieren zu wollen. Telekom-Vorstand Timotheus Höttges sagte aber auch, dass der Konzern den flächendeckenden Ausbau nicht allein bewerkstelligen könne und wolle. Derzeit prüfen Telekom und Vodafone, wie sie kooperieren können. Außerdem kündigte die Telekom an, ihr bereits bestehendes VDSL-Netz jetzt auch an Wettbewerber zu vermieten. Höttges sprach von einem Preis von zunächst 30 Euro pro Teilnehmer. Mit steigender Nachfrage solle der Preis sinken.

Die Hightech-Branche geht relativ optimistisch in die Messe. „Wir sehen keinen Anlass, unsere Umsatzprognose für das laufende Jahr zu korrigieren“, sagte Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer. Im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen stehe die Branche noch relativ gut da. Allerdings hatte der Verband seine Prognose angesichts der Wirtschaftskrise bereits im Dezember zurückgenommen und erwartet seither nur noch einen Umsatz auf dem Niveau des Vorjahres von 144,6 Milliarden Euro.

Wie sehr Internet und moderne Kommunikationstechnik das Leben der Menschen beeinflussen, zeigt eine aktuelle Umfrage unter 1000 Deutschen ab 14 Jahren, die der Bitkom am Montag vorstellte: Demnach kann sich jeder zweite Deutsche ein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellen. Bei den jungen Leuten sind es sogar 84 Prozent. Mehr noch: Die unter 30-Jährigen antworteten, sie würden eher auf das Auto oder ihren aktuellen Lebenspartner verzichten als auf Internet oder Handy. Corinna Visser

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