Wirtschaft : Chance für mehr Ausbildung

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Von Maurice Shahd

Die Bundesregierung scheint bei ihren Arbeitsmarktreformen nach dem Schrotflintenprinzip vorzugehen. Ich AG, Minijobs, Zeitarbeit, Personal Service Agenturen: Das eine Instrument funktioniert besser, das andere schlechter. Gute Chancen auf einen Erfolg hat der Plan von Wirtschaftsminister Clement, eine zweijährige Kurzlehre einzuführen. Das betrifft nur Berufsbilder, die in der Praxis existieren, für die es aber noch keine Ausbildung gibt: wie Fahrradmonteure, Pflegehelfer oder Fitnessgerätemechaniker. Die Qualität der bestehenden Ausbildungsgänge leidet durch die Verkürzung also nicht.

Vielmehr hat der Druck auf dem Arbeitsmarkt die Anforderungen an die Lehrlinge immer weiter ansteigen lassen. Viele Bewerber scheitern schon in den Einstellungstests der Firmen und Organisationen. Rund ein Viertel der Lehrlinge brechen ihre Ausbildung ab – viele davon, weil sie sich den Ansprüchen nicht gewachsen fühlen. Die Kurzlehre für eher praktisch orientierte Berufe ist für diese Jugendlichen eine Chance, doch noch in den Arbeitsmarkt zu finden.

Die Kurzlehre ist auch ein Schritt dahin, der Realität in einer sich ändernden Arbeitswelt gerecht zu werden. Berufe wie der Computermonteur sind am bestehenden Ausbildungssystem vorbei entstanden. Erhalten die Jugendlichen hier die Möglichkeit auf eine Ausbildung, steigt die Qualität und das Ansehen dieser Berufe. Gleichzeitig erhöht sich für die jungen Leute die Chance, bei einem Jobverlust mit einem „Schein“ in der Tasche neue Arbeit zu finden. Bei den Betrieben sinkt mit der Kurzlehre die Schwelle, Ausbildungsplätze anzubieten.

Wichtig ist, dass die Ausbildung durchlässig bleibt: Fühlt sich der KfzWartungsmechaniker nach zwei Jahren fit genug, muss er in einem weiteren Jahr problemlos den Kfz-Mechaniker draufsatteln können.

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