Wirtschaft : Chance für Schurken

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Im wachsenden globalen Wettbewerb um Energieressourcen gibt es zwei Optionen, um mit dem Aufstieg Chinas umzugehen. Die erste ist die Errichtung von Barrieren. Sie würden den immer aggressiver werdenden Energiekonzernen Chinas aber kaum eine andere Wahl lassen, als Verträge mit Schurkenstaaten zu schließen. Die zweite Option besteht darin, Chinas Integration in die Weltgemeinschaft zu fördern und im Gegenzug darauf zu bestehen, dass Peking nach denselben Regeln spielt wie alle anderen.

Pekings explosive Wachstumsraten haben die Ölnachfrage dort schneller in die Höhe getrieben als in jedem anderen Land. Bei ihrer Suche nach neuen Lieferquellen schließen die staatlichen Energiekonzerne nur allzu häufig Verträge mit Schurkenstaaten. Diese bieten einem Land, das bei Atomwaffen oder Menschenrechtsbelangen gern ein Auge zudrückt, gerne günstige Konditionen an. Zu diesen Ländern zählt auch der Iran, mit dem die China Petroleum & Chemical (Sinopec) bereits im vergangenen Jahr einen milliardenschweren Vertrag abgeschlossen hat, um die Erdgasversorgung für das kommende Vierteljahrhundert zu sichern. Peking hat seither alles unternommen, um Teherans nukleare Ambitionen von der Tagesordnung des UNSicherheitsrates zu halten.

Gleiches gilt für den Sudan, wo Sinopec der größte Investor in der Ölindustrie ist. Peking war stets bemüht, UN-Resolutionen, die die Gräueltaten von Darfur kritisierten, abzuschwächen. Doch zunehmend wagen Chinas Energiekonzerne sich auch in Länder vor, wo sie Wettbewerb auf Augenhöhe bestreiten müssen: in Australien, Kanada oder den USA. Erst vergangene Woche unterbreitete der drittgrößte chinesische Ölkonzern China National Offshore Oil Corp (CNOOC) ein Übernahmeangebot in Höhe von 18,5 Milliarden Dollar für das US-Ölunternehmen Unocal. Das Angebot vom bisherigen Verhandlungspartner Chevron liegt bei 16,4 Milliarden Dollar. Zwei republikanische Kongressabgeordnete haben Präsident Bush nun dringend darum gebeten, den Ausschuss für ausländische Direktinvestitionen in den USA zu einer Überprüfung zu veranlassen, da „Bedenken im Hinblick auf amerikanische Arbeitsplätze, Energieproduktion und Energiesicherheit“ vorlägen.

Wie beim japanischen Kauf amerikanischer Vermögenswerte in den 80er Jahren verursacht der ausländische Investitionseifer einer schnell wachsenden asiatischen Macht eine protektionistische Gegenreaktion. Das ist im Fall Chinas, das nicht durch dieselben Skrupel gebremst ist wie Tokio, aber weit gefährlicher. Es besteht eine ganz reale Gefahr, dadurch die Haltung einiger paranoider Hardliner in Peking zu stärken. Sie behaupten, dass die USA beabsichtigten, Chinas Energieversorgung abzuwürgen.

Auch wenn der Aufkauf ausländischer Firmen durch chinesische Konzerne noch in einer frühen Phase steckt, wird dies sehr wahrscheinlich einer der großen globalen Trends der kommenden Jahre. Das könnte manches Mal weit schwerwiegendere Probleme aufwerfen als in diesem Fall. Doch die Herausforderung wird stets dieselbe sein: die Sicherheit des Westens zu schützen, ohne China weiter in politische Bindungen mit Schurkenstaaten zu treiben.

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