Wirtschaft : Chemie macht gute Geschäfte, schafft aber keine neuen Jobs

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Frankfurt am Main - Die Geschäfte in der deutschen Chemieindustrie laufen trotz hoher Energiepreise noch immer gut, wenn auch nicht mehr mit der gleichen Dynamik wie im vergangenen Jahr. „Auf der Grundlage einer bereits 2005 um sieben Prozent gestiegenen Produktion haben wir im ersten Halbjahr nochmals um 3,5 Prozent zugelegt. Das ist ein sehr erfreuliches Ergebnis“, sagte Werner Wenning, Präsident des Branchenverbandes VCI, am Mittwoch in Frankfurt am Main. Auch die weitere Entwicklung für 2006 beurteilen die Chemiefirmen positiv, so dass Wenning insgesamt für dieses Jahr mit einem Produktionszuwachs von 2,5 Prozent rechnet.

Neue Arbeitsplätze werden allerdings kaum entstehen. „Es wird keinen signifikanten Aufbau geben. Wir werden das Niveau von derzeit rund 433 600 Mitarbeitern halten.“ Im ersten Halbjahr waren 1,5 Prozent der Stellen und damit rund 6000 Arbeitsplätze weggefallen. Nach Aussage Wennings ist das Folge der Auslagerung von Dienstleistungsbereichen. Angesichts der im internationalen Vergleich unterdurchschnittlichen Rendite der deutschen Chemie-Unternehmen und etlicher Kostennachteile könnte es sogar weitere Verlagerungen ins Ausland geben, sagte Wenning, der im Hauptberuf Vorstandsvorsitzender des Schering-Käufers Bayer ist.

Die Netto-Umsatzrendite der Chemiefirmen in Deutschland lag 2004 bei 5,7 Prozent und damit deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 7,7 Prozent. 2005 dürften die Renditen hierzulande zumindest leicht gestiegen sein. Ursache dafür sind nach Angaben des VCI die hohen Energiepreise, die hohen Lohnkosten und die zu hohe Steuerlast in Deutschland.

Trotzdem wird das Chemiegeschäft mittlerweile nicht mehr nur von der Auslandsnachfrage, sondern auch von der guten Geschäftslage vieler inländischer Industriekunden angetrieben. Der Gesamtumsatz der deutschen chemischen Industrie kletterte im ersten Halbjahr um sechs Prozent auf 81,2 Milliarden Euro. Der Auslandsumsatz erhöhte sich sogar um 7,5 Prozent auf 44,2 Milliarden Euro. Im Inland verbucht die Branche ein Plus von 4,5 Prozent auf 37 Milliarden Euro.ro

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