Wirtschaft : Chemiegewerkschaft fordert 5,5 Prozent

msh/opp

Der Vorstand der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) wird in der bevorstehenden Tarifrunde 5,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt für die rund 600 000 Beschäftigten fordern. Der Hauptvorstand sehe angesichts positiver Signale für die Konjunktur und steigender Preise die Notwendigkeit, eine reale Einkommenserhöhung der Beschäftigten sicherzustellen, sagte IG-BCE-Vorsitzende Hubertus Schmoldt am Dienstag in Hannover. Vertreter des Handels und des Handwerks sehen dagegen noch keine Besserung der Wirtschaftslage und übten scharfe Kritik an den hohen Lohnforderungen der Gewerkschaften.

Die IG Metall hatte am Montag ihre Lohnforderung von 6,5 Prozent bekannt gegeben und rund einen Prozentpunkt mehr gefordert als vor zwei Jahren. Die IG BCE war dagegen vor zwei Jahren ohne konkrete Lohnforderung in die Tarifrunde gezogen. Schon damals hatte sich die Chemiegewerkschaft darauf fest gelegt, einen Abschluss zu suchen, der die Vereinbarungen im Bündnis für Arbeit für eine beschäftigungsfördernde Tarifpolitik umsetzt. IG-BCE-Chef Schmoldt hatte bereits klar gemacht, dass er weiter zu diesen Zielen steht.

Schmoldt betonte, in Deutschland gebe es eine branchenspezifische Tarifautonomie. In den vergangenen Wochen habe man das Gefühl bekommen können, die IG Metall gebe die Marschrichtung für die anderen Gewerkschaften vor. "Das war in der Vergangenheit nicht so und das wird auch in Zukunft nicht sein", sagte Schmoldt.

Die vom IG-BCE-Vorstand verabschiedete Empfehlung sieht neben der Entgeltsteigerung weitere Punkte vor: Die Verträge sollen zwölf Monate gelten und das 13. Monatsgehalt so gestaltet werden, dass bei einer guten Unternehmensentwicklung die Beschäftigten am Erfolg beteiligt werden. Die Verhandlungen beginnen am 4. März, rund vier Wochen später als in den ersten Bezirken der Metalltarifrunde.

Rückenwind für ihre Lohnforderungen erwarten sich die Gewerkschaften von einer Besserung der wirtschaftlichen Lage. Darauf deutet der am Montag veröffentlichte Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindex hin. Der Index des Münchener Ifo-Instituts misst, wie sich die Wirtschaft in den kommenden Monaten entwickeln wird. Dazu werden Unternehmen zu ihrem aktuellen Geschäft und ihren Erwartungen befragt.

Vertreter des Handels und des Handwerks rechnen dagegen nicht mit einer baldigen Trendwende. "Der Großhandel bleibt in der Talsohle", sagte der Präsident des Bundesverbandes des deutschen Groß- und Aussenhandels (BGA), Anton Börner, in Berlin. Die Großhandelsumsätze würden allenfalls um 0,5 bis 0,75 Prozent wachsen. Im Außenhandel erwartet Börner ein Umsatzplus von fünf Prozent. Im vergangenen Jahr sei das Geschäft nach den Terror-Anschlägen eingebrochen. Börner erwartet für 2001 einen Anstieg von knapp sieben Prozent - ein Prozent weniger als erwartet.

Wenig zufrieden zeigten sich die Betriebe des Großhandels mit der Politik der Bundesregierung. In einer Umfrage bei 1009 Unternehmern antworteten 95 Prozent, dass die bei der Amtsübernahme versprochene Verbesserung des Wirtschaftsstandorts Deutschland nicht eingetreten sei. 52 Prozent sähen sogar eine Verschlechterung.

Auch im Handwerk bleibt die konjunkturellen Lage düster. "In den Betrieben ist noch keine Besserung des Geschäftsklimas zu erwarten", sagte Dieter Philipp, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH). Im laufenden Jahr sei mit dem Verlust von 60 000 Arbeitsplätze im Handwerk zu rechnen. Über das jüngste Treffen des "Bündnis für Arbeit" zeigte sich Philipp enttäuscht. Es sei "an einem Tiefpunkt angelangt". Er kritisierte die Gewerkschaften, die einen Konsens über eine beschäftigungsfördernde Tarifpolitik verweigert hätten. Die Lohnforderungen der IG Metall sei "nicht nachvollziehbar".

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben