Wirtschaft : China: Peking öffnet den Mobilfunkmarkt

Aus: "The Wall Street Journal"[übersetzt]

Den Investoren aus aller Welt lief angesichts des erwarteten Profits das Wasser im Mund zusammen. Die zwei Mobilfunk-Giganten Chinas, China Mobile und China Unicom, warben zu Beginn des Jahres in New York und Hong Kong insbesondere damit, dass China die USA als den weltgrößten Mobilfunkmarkt überflügeln werde. Und, was noch schwerer wiegt, man könne immense Profite einfahren, weil diese beiden Firmen aus dem relativ harmlosen Wettbewerb Vorteile zögen. Leider ist das Lockmittel schneller Gewinne überall eine Illusion - vor allem aber in China. Letzten Monat ließ ein Beamter des Ministeriums für Informationstechnologie in den staatlichen Medien eine Bombe platzen: Es hieß, die Tarife für Mobilfunkgespräche würden bald geändert werden. Diejenigen Investoren, die dachten, sie hätten einen guten Draht nach Peking, wurden behandelt wie ein falscher Anschluss.

Die Idee schien einfach: Anstelle des jetzigen Systems, nach dem Anrufer und Angerufener sich die Kosten des Gespräches teilen, sollte künftig allein der Anrufer bezahlen. Das würde die Dynamik in der Mobilfunkindustrie vollkommen verändern, weil es den Anrufern eine größere Kontrolle über ihre Ausgaben gäbe. Sie würden möglicherweise nicht nur weniger telefonieren, sie könnten in der Wahl ihres Mobilfunk-Anbieters künftig auch wählerischer sein. Das würde - so die Intension des Ministeriums - zu einem vermehrten Wettbewerb führen. Die Investoren schimpften, sie seien unter falschen Voraussetzungen dazu gebracht worden, Aktien zu kaufen.

Angesichts der Häufigkeit, mit der sich eben diese Investoren in China schon die Finger verbrannt haben, hält sich das Mitleid in Grenzen. Zu oft haben die Bürokraten in Peking in letzter Minute die Regeln zum Nachteil ausländischer Investoren geändert. Wenn die Anleger dieses Risiko nicht von vornherein eingeplant haben, dann sind sie selber schuld. Die Märkte reagierten prompt: Die Kurse der Mobilfunkunternehmen verloren in einer Woche 20 Prozent ihres Wertes, was einem Börsenwert von 17 Milliarden Dollar entspricht.

Trotz allem sollte zwischen der Art, wie China für diese Überraschung sorgte und der Entscheidung selbst unterschieden werden. Auf lange Sicht kann man nur verlieren, wenn man die Anleger in die Irre führt. Dennoch ist die Entscheidung, den Wettbewerb auf dem Mobilfunksektor zu verstärken, zu begrüßen - mögen die Anleger damit nun einverstanden sein oder nicht. Chinas Premier Zhu Rongji setzte sich kürzlich für eine Rationalisierung der Telekommunikationsindustrie und eine Senkung der Gebühren ein. Ende der 90er-Jahre wurde der Markt durch die internen Machtkämpfe der Bürokraten behindert. So hat man jahrelang die Chance auf Expansion und größere Effizienz vertan. Wenn Zhu beschlossen hat, den selben Fehler im Mobilfunkbereich nicht zu machen, dann ist das eine gute Nachricht für die Verbraucher in China. Leider sieht es so aus, als hätten die Verantwortlichen diesmal noch einen Rückzieher gemacht. Kürzlich erklärte Informationsminister Wu Jichuan, man werde davon absehen, das Tarifsystem für Mobiltelefone zu ändern und versicherte gleichzeitig den Anlegern, ihre Gewinne seien ihnen sicher - zumindest noch im nächsten Jahr. Beide Seiten können aus dem Ganzen eine Lehre ziehen: Die ausländischen Investoren sollten sich daran erinnern, dass die Profite in China nicht einfach auf der Straße liegen. Peking dagegen sollte sich klar darüber sein, dass es transparenter und beständiger werden muss, wenn es Kapital anlocken will - es vergiftet sich sonst den eigenen Brunnen.

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