Wirtschaft : Chinesische Nationalbank bereit, den Hongkongdollar zu stützen

CHRISTOPH RABE PETER SEIDLITZ[PEKING]

Gespräch mit Notenbankchef Dia / Feste Bindung an US-Dollar kein Zwang / Kritik am Krisenmanagement in SüdostasienVON CHRISTOPH RABE UND PETER SEIDLITZ, PEKING

Der Zentralbankchef der Volksrepublik China, Dai Xianglong, ist angesichts der auf Hongkongs Börse und Wirtschaft übergeschwappten Krise zur Verteidigung des Hongkong-Dollars angetreten und erklärt, daß die chinesische Regierung und der IWF Hongkong, wenn nötig, unterstützen und für die Stabilität des Finanzplatzes Hongkong sorgen werden.Aber Dai ließ in einem Handelsblatt-Gespräch in Peking der Hongkonger Geldbehörde die Tür offen, den bisher fest verteidigten Dollar-Link zu ändern und damit die Flucht in die Abwertung zu suchen. "Ich habe volles Vertrauen in die Hongkonger Währung.(Aber) Hongkong ist ein internationaler Finanzplatz und mit Sicherheit werden die Schwankungen auf den internationalen Märkten Einfluß auf Hongkong haben.Die Preisentwicklung von Börsen und Immobilien wird mit Sicherheit die Devisenkurse beeinflußen.Aber wir sind voll präpariert für diese Situation.Die Hongkong Monetary Authority hat bisher das Pegging-System (zum US-Dollar) adoptiert, aber ich kann nicht sagen, welche Politik die Geldbehörde Hongkongs in Zukunft einschlagen wird.Ich bin mir sicher, daß die Hongkonger Monetary Authority und die Regierung der Sonderverwaltungszone Hongkong richtig handeln werden," sagte Dia.Der Zentralbankchef kündigte eine Senkung der Kreditzinsen um 1,5 Prozent an und damit eine von der Industrie Chinas erhoffte Lockerung der Kreditschraube.In der Zentralbank in Peking sagte Dai: "Wir haben mit Sorge die Schwankungen an der Hongkonger Börse beobachtet.Die red chips (die in Hongkong kotierte Aktien chinesischer Unternehmen) stehen unter Druck.Aber Hongkong hat keine Auslandsschulden bei Devisenreserven von 80 Mrd.Dollar.Ich habe volles Vertrauen in die Stabilität des Hongkong Dollars.Die Hongkonger Geldbehörde ist kompetent." Die Zentralbank in Peking werde nicht untätig bei einer Hongkonger Krise sein."Wir werden die Situation in aller Ruhe beurteilen, aber wenn es die Situation erforderlich macht, werden wir entschlossen handeln." Der Zentralbankchef, ein großgewachsener und selbstbewußter Politiker mit einem kometenhaften Aufstieg, der es aber in noch höhere Ämter bringen wird, gab aber bei seiner Analyse über die Krisensituation in Südostasien eine sehr differenzierte Bewertung: "Ich möchte nicht in die heiße Diskussion zwischen (Malaysias Regierungschef) Mahathir und dem (New Yorker Finanzier) Soros eingreifen, aber es klar, daß ein gesundenes makroökonomisches Management für eine gesundene Wirtschaft und rationale Wechselkurse nötig sind." Der Zentralbankchef Chinas kritisierte das Krisenmanagement in den Ländern Asiens, von denen er nur Thailand beim Namen nannte."Die (negative) Stimmung an den internationalen Devisenmärkten hat eine Rolle gespielt.Aber ein viel wichtigerer Grund für die Schwankungen an den Börsen war das Mismanagement der Volkswirtschaften in diesen Ländern." Dai: "Thailand hat in neun Jahren sechs Finanzminister verbraucht." Trotz der klaren Worte der Unterstützung für die Hongkonger Währung und das Vertrauen in die Hongkonger Regierung ließ der Zentralbankchef den Geldbehörden in Hongkong die Möglichkeit offen, den "peg" (die Verknüpfung des Hongkong Dollars mit der US-Währung zu einem festen Wechelkurs) zu ändern.Experten raten der Hongkonger Regierung seit langem, den Dollar-Link durch einen "Währungs-Korb" mit Dollar, Yen, DM und anderen europäischen Währungen zu ersetzen. Der Zentralbankchef argumentiert, daß die Situation in Hongkong sich von der in Thailand grundlegend unterscheide."Hongkong hat keinen Penny Auslandsschulden.Thailand hatte hingegen 90 Mrd.Dollar Schulden angehäuft.Überdies muß jeder Hongkong Note, der gedruckt wird, von einem US Dollar gedeckt sein.Unsere Analysen zeigen, daß der Teil des Hongkong-Dollar (der sogenannte exchangeable Hongkong Dollar), der in US Dollar konvertiert werden kann, im Vergleich zu den hohen Forex-Reserven niedrig ist." Der Zentralbankchef drückte seine Sorgen über die Entwicklung an der Börse aus."Börsen und Immobilien finden ihren eigenen Weg am Markt.Wenn sich die Preise für Immobilien zu weit vom sonst üblichen wegbewegen, gibt es Probleme," sagte Dai mit Hinblick auf die Spekulation im Hongkonger Immobilienmarkt.Spekulation und Investiton seien heutzutage schwer zu unterscheiden.

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