Chipkonzern : Der Machtkampf bei Infineon ist entschieden

Der Aufstand der Aktionäre beim Münchner Chipkonzern Infineon ist überraschend deutlich gescheitert. Im Ringen um den Posten des Aufsichtsratschefs wurde Industriemanager Willi Berchtold als Kandidat einer gegen die bestehenden Machtverhältnisse revoltierenden Eignergruppe von 72 Prozent des anwesenden Aktienkapitals abgelehnt.

Thomas Magenheim

München -  „Damit wurde Herr Berchtold nicht in den Aufsichtsrat gewählt“, stellte der scheidende Oberaufseher Max Dietrich Kley klar. Das eindeutige Votum macht den Weg für Klaus Wucherer als seinen Nachfolger frei. Der Ex-Siemensianer war Wunschkandidat von Kley.

Die mit dem Aus für Berchtold eindeutigen Machtverhältnisse kommen unverhofft. Lange hatte es nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden Kandidaten ausgesehen. Die aufständischen Aktionäre witterten eine historische Stunde. „Das Aktionariat ist erwacht“, jubelte noch kurz vor der Abstimmung Aktionärsvertreter Hans-Martin Buhlmann, einer der Rädelsführer des Aufstands. „Wir sind das Volk und werden den Aufsichtsrat besetzen“, rief er siegessicher ins Mikrofon. Angezettelt hatte die Kampfabstimmung der britische Pensionsfonds Hermes. Wucherer sei als langjähriger Aufsichtsrat mitverantwortlich für das Debakel von Infineon seit dem Börsengang 2000, hatte Hermes-Manager Hans-Christoph Hirt gerügt. Er und seine Mitstreiter wollten mit Berchtold einen Neuanfang im Aufsichtsrat wagen.

Durchgesetzt hat sich aber nun die alte Aufseherriege um Kley, der mit der diesjährigen Hauptversammlung altersbedingt abtritt und noch einmal viel Kritik für misslungenes Krisenmanagement einstecken musste. „Sie hätten diese Schlammschlacht verhindern müssen“, rügte nicht nur Aktionärsvertreterin Daniela Bergdolt.

Kleys Nachfolge tritt nun Wucherer an. Mangels eines Gegenkandidaten gilt es als sicher, dass er aus der Mitte der Aufsichtsräte zu deren Vorsitzendem gewählt wird. Allerdings wird der 65-jährige auf eigenen Wunsch nur für ein Jahr an der Spitze des Gremiums stehen. Schon zur nächsten Hauptversammlung von Infineon will er seinen Platz für einen von allen Aktionärsgruppen akzeptierten Oberaufseher räumen. Dem Verdacht, dass er in den nächsten zwölf Monaten nur eine „lahme Ente“ abgeben und seine Pflichten nicht wahrnehmen könnte, widersprach Wucherer vehement. „Ich habe ausreichend Führungsstärke“, betonte er vor den Aktionären.

Bevor die Entscheidung fiel, hatten sich die beiden Lager gut acht Stunden lang hitzige Wortgefechte geliefert. „Kley ist das Problem“, kritisierte Buhlmann für die Seite der Aufständischen. Er habe das jahrelange Missmanagement von Infineon maßgeblich zu verantworten und immer wieder falsche Personalentscheidungen gefällt, ergänzte Hirt. Dessen Seite ziehe Infineon per gesteuerter Falschmeldungen öffentlich durch den Kakao, um Wucherer zu verhindern, maulte Kley dagegen.

Klar ist mit der Niederlage Berchtolds auch, dass Infineon-Chef Peter Bauer nicht um seinen Posten bangen muss. Infineon sei noch nicht da, wo es sein müsse, aber auf dem richtigen Kurs, hatte er den Aktionären erklärt. Und so sieht das auch Wucherer.

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