Chronik : Aufstieg und Niedergang eines Handelshauses

1881
Mit einem Möbelwagen voll Waren und einem Startkapital von 1000 Talern gründet Rudolph Karstadt sein erstes „Tuch-, Manufactur- und Confektionsgeschäft" in Wismar. Seine Idee: Statt mit den Kunden zu feilschen nahm er Festpreise und Barzahlung.

1906
Sein Geschäft hatte Erfolg. Er hat 24 Kaufhäuser in Norddeutschland.

1912
Ein erstes großes Kaufhaus wird in Hamburg eröffnet.

1929
Am Berliner Hermannplatz wird das damals modernste Kaufhaus Europas mit einer Fläche von 72000 Quadratmetern auf neun Etagen eröffnet.

1956
Nach dem zweiten Weltkrieg erlebte das Unternehmen eine Renaissance. Das Konzept des Vollsortiments in einem Haus traf den Nerv der Zeit. 1956 hatte Karstadt wieder 49 Filialen.

1977
Karstadt übernimmt den angeschlagenen Versandhändler Neckermann.

1994
Karstadt übernimmt den maroden Hertie-Konzern. Die Sanierung gelingt um den Preis der Schließung von zahlreichen Hertie-Filialen

1998
Der Karstadt-Konzern erwirtschaftet einen Jahresüberschuss von 199,2 Millionen DM

August 1998
Das Bundeskartellamt genehmigt der Schickedanz-Holding, zu der unter anderem das Versandhaus Quelle gehört, ihre Beteiligung an Deutschlands größtem Warenhaus-Konzern Karstadt auf 48 Prozent aufzustocken stocken und so faktisch die Kontrolle über den Handelskonzern übernehmen.

Juli 1999
Der Versandhausriese Quelle in Fürth und der Essener Warenhauskonzern Karstadt AG planen ihre Fusion fusionieren eineinhalb Jahre nach dem Einstieg der Franken in den europaweit führenden Kaufhaus-Konzern. Durch den Zusammenschluß entsteht ein Konzern mit 32,8 Mrd. DM Umsatz

Juli 2000
Karstadt-Quelle-Vorstandschef Walter Deuss legt sein Amt nieder. Er hatte einräumen müssen, dass die vor der Fusion prognostizierten Effekte nicht erreicht wurden. 18 Jahre stand er an der Spitze des Unternehmens. Nachfolger wird der bisherige Chef der Karstadt-Warenhaus AG, Wolfgang Urban.

Januar 2001
Karstadt kündigt den Abbau von bis zu 7000 der 52 000 Stellen im Warenhausbereich an.

Juni 2004
Karstadt gibt auch in Berlin Wom-Plattenläden auf. Filialen in anderen Städten werden bereits seit 2003 geschlossen.

Mai/Juni 2004
Vorstandschef Urban muss wegen der schlechten Ertragslage gehen. Quelle-Neckermann-Chef Christoph Achenbach übernimmt den Posten. Der seit Mai dem Aufsichtsrat angehörende frühere Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff wird Aufsichtsratschef

August 2004
Der Verlust versechsfacht sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und explodiert auf 298 Millionen Euro im ersten Halbjahr. 4000 Arbeitsplätze sollen auf der Kippe stehen

September 2004
Achenbach legt ein Sanierungsprogramm vor: Eine Kapitalerhöhung über 500 Millionen Euro, die Verlängerung von Kreditlinien von rund 1,75 Milliarden, Verkäufe von Unternehmensteilen, die 1,1 Milliarden Euro einbringen sollen. Jetzt ist bereits davon die Rede, dass 10.000 Arbeitsplätze abgebaut und 20.000 ausgelagert werden sollen.

Oktober 2004
Konzernspitze und Arbeitnehmer einigen sich auf einen Sanierungsplan. 5500 Stellen sollen sozialverträglich abgebaut, 77 kleinere Häuser in den nächsten drei Jahren verkauft werden.

April/Mai 2005
Achenbach tritt zurück, Thomas Middelhoff wird neuer Vorstandschef. Der Aktienpool um die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz sichert sich die Mehrheit.

August 2005
Der Konzern verkauft die Modekette Wehmeyer und trennt sich von 74 kleineren Warenhäusern und den Fachmarktketten Sinn-Leffers und Runners Point.

März 2006
Karstadt-Quelle verkauft für 4,5 Milliarden Euro seine gesamten Warenhaus-Immobilien. Der Konzern mietet die Gebäude zurück.

Dezember 2006
Karstadt-Quelle übernimmt den Reiseveranstalter Thomas Cook und bezahlt der Lufthansa 800 Millionen Euro für deren 50-Prozent-Anteil.

März 2007
Karstadt-Quelle heißt nun Arcandor. Damit will der Vorstand dem Umstand Rechnung tragen, dass mit Thomas Cook auch Touristik zum Kerngeschäft gehöre.

September 2008
Die Privatbank Sal. Oppenheim greift Arcandor unter die Arme. Das Kölner Geldinstitut übernimmt Anteile der bisherigen Mehrheitsaktionärin, Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz. Im Geschäftsjahr 2007/2008 beträgt der Verlust 746 Millionen Euro.

Februar/März 2009
Middelhoff tritt ab, er hinterlässt eine Schuldenlast von 1,4 Milliarden Euro nebst 1,2 Milliarden Euro Miet- und Leasinglastender langjährige Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick übernimmt das Ruder.

April 2009
Letzter Versuch. Arcandor baut sein Geschäft radikal um und gliedert rund 12 500 Jobs in eine neu geschaffene Gesellschaft aus. Davon sind auch das Berliner KaDeWe und zwei weitere Luxuskaufhäuser betroffen, außerdem 1500 Quelle-Shops sowie acht Karstadt-Warenhäuser. Ob sie verkauft oder geschlossen werden, ist unklar.

Mai 2009
Arcandor fordert staatliche Kreditgarantien in Höhe von 650 Millionen Euro. Die Ankündigung, andernfalls mit dem einzigen Konkurrenten Metro zu einer „Deutschen Warenhaus AG“ zu fusionieren, soll dem Nachdruck verleihen.

9.6.2009
Arcandor stellt Insolvenzantrag

17.7.2009
Insolvenzverwalter Horst Piepenburg wirft nach nur fünf Wochen hin, aus Ärger über die mangelnde Unterstützung des Großaktionärs Sal. Oppenheim.

1.9.2009
Das Amtsgericht Essen eröffnet das Insolvenzverfahren. Der Konzern wird zerschlagen: Thomas Cook, Karstadt und Quelle gehen eigene Wege. Konzernchef Eick wird mit 15 Millionen Euro abgefunden.

12.4.2010
Karstadt kommt unter den Hammer. 154 stimmberechtigte Gläubiger machen den Weg für eine Veräußerung der Handelskette des seit zehn Monaten insolventen Arcandor-Konzerns frei und stimmten dem Vorschlag von Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg zu. Mögliche Interessenten sollen ihre Angebote bis zum 23. April vorlegen.

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