Chronik : T wie turbulent

Vom Staatsmonopolisten zum Krisenunternehmen

Berlin - Einen beliebteren Fürsprecher hätte die Telekom kaum engagieren können. Als der ehemalige Staatskonzern im November 1996 an die Börse ging, versicherte der Schauspieler Manfred Krug im Werbefernsehen: „Dann gehe ich mit.“ Mehr als zehn Jahre später hat „Liebling Kreuzberg“ seine Meinung geändert. Anfang 2007 bezeichnete er die Werbung für die Telekom als seinen „größten beruflichen Fehler“.

Daran ist beim Börsengang noch nicht zu denken. Der damalige Finanzminister Theo Waigel sieht einen „historischen Tag für den Finanzplatz Deutschland“ und Telekom-Chef Ron Sommer verspricht „den Wert der Telekom stetig und nachhaltig zu steigern“. Die Privatanleger sind überzeugt – insgesamt 1,9 Millionen steigen mit ein.

Zunächst geht alles gut. Ende der 90er Jahre wird das Handy zum Statussymbol und die Telekom baut die Mobilfunksparte aus. Sommer setzt auf Kooperationen im europäischen Ausland – mit mäßigem Erfolg. Im Frühjahr 1999 scheitert eine Fusion mit Telecom Italia, eine Überkreuzbeteiligung mit France Telecom zerbricht. Dafür übernimmt die Telekom den britischen Mobilfunkanbieter One2One für zehn Milliarden Euro.

Das Jahr 2000 wird zum Wendepunkt. Der Börsenhype treibt die Aktie zu ihrem Höchststand von 104,90 Euro, der Konzern mischt bei den Versteigerungen der Mobilfunklizenzen (UMTS) kräftig mit. Die Telekom überweist mehr als acht Milliarden Euro an Finanzminister Hans Eichel – gut ein Viertel ihres damaligen Umsatzes. Die Expansion geht dennoch weiter: Die Telekom übernimmt den kleinen US-Mobilfunker Voicestream für satte 35 Milliarden Dollar.

2001 muss die Telekom die Bewertung ihres Immobilienvermögen um zwei Milliarden Euro nach unten korrigieren. Ron Sommer avanciert vom Wunder- zum Prügelknaben. Im Herbst 2001 fällt die T-Aktie erstmals unter den Ausgabepreis von 14,57 Euro – ein halbes Jahr später tritt Sommer zurück.

Nachfolger Kai-Uwe Ricke will den Konzern konsolidieren: 30 000 Jobs sollen weg fallen, der Konzern nimmt die Internettochter T-Online wieder von der Börse, wo sie im Jahr 2000 mit viel Getöse gestartet war. Mitten in den Umbau platzt der nächste Schock: Verzögerungen bei der Autobahnmaut kosten rund 443 Millionen Euro. Auch Ricke steht bald in der Kritik. Im Herbst 2006 macht er den Weg frei für René Obermann. Der gliedert im Sommer 2007 nach heftigem Tarifstreit rund 50 000 Mitarbeiter der Festnetzsparte aus: Sie verdienen in Zukunft weniger und müssen länger arbeiten. Im Februar dieses Jahres gibt die Telekom zu, Tausende Kundenbeschwerden ignoriert zu haben – die der Aktionäre nicht eingerechnet. jto/dcl

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