Wirtschaft : Coca-Cola: Der Präsident tritt zurück

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Um seinen schwächelnden Getränkeabsatz wieder anzukurbeln ändert Coca-Cola seine Geschäftsstruktur. Unter der Führung von Douglas Daft, der vor einem Jahr den Posten als Vorstandsvorsitzender antrat, wird der Getränkekonzern aus Atlanta in vier Geschäftsbereiche aufgeteilt. Außerdem kündigte Coca-Cola an, dass Jack Stahl, Präsident und Chief Operating Officer (COO), also der zweite Mann im Vorstand, zurücktritt. Der Abgang des 47-Jährigen kommt nicht völlig überraschend, denn das Verhältnis zwischen Stahl, der seit mehr als 20 Jahren bei dem Getränkekonzern war, und dem neuen Chef gilt schon seit Monaten als gespannt.

In der neuen Struktur soll das Geschäft des Traditionskonzerns in drei geografische Regionen für das profitable Kerngeschäft mit den kohlensäurehaltigen Soft Drinks und Wasser sowie einen Bereich für neue Geschäftsvorhaben aufgeteilt werden. Nord- und Südamerika wird einen geografischen Bereich bilden, Europa wird mit Afrika zusammengefasst, Asien steht alleine. Der vierte Geschäftsbereich soll vor allem die Beteiligungen in verschiedenen Gemeinschaftsunternehmen für Säfte, Kaffee und Tee entwickeln. Die Leiter der vier Geschäftsbereiche sollen dem Vorstandsvorsitzenden Daft und nicht mehr dem COO gegenüber verantwortlich sein.

Chef des Amerikageschäfts wird Jeffrey Dunn, der seit Oktober das Nordamerika-Geschäft führt. Charles Frenette, der bisher für Europa zuständig war, wird demnächst auch Afrika verantworten, und der AsienChef Sandy Alan wird seinen Posten behalten. Wer für den vierten Geschäftsbereich zuständig sein wird, ist noch nicht entschieden. Nach den Worten Dafts tritt Coca-Cola nun in eine neue Wachstumsphase ein und braucht daher eine neue ManagementStruktur. "Diese (neuen) Abteilungen werden als wendiges und unternehmerisches Netzwerk zusammenarbeiten, das gut ausgerüstet viel versprechende Möglichkeiten auf dem Markt erkennen und umzusetzen wird", erklärte er.

Investoren und Analysten haben die Neuigkeiten grundsätzlich begrüßt. Coca-Cola hat sich selbst das ehrgeizige Ziel gesteckt, den Umsatz in diesem Jahr um sechs bis sieben Prozent weltweit zu steigern. Die Neuerungen kommen nach zwei besonders schweren Wochen für den Konzern: Der Wert der Coca-Cola-Aktie ist um elf Prozent gesunken, nachdem der Getränkehersteller eine Allianz mit dem Konsumgüter-Konzern Procter & Gamble verkündet hatte, um das Saft- und Snackgeschäft gemeinsam zu vermarkten. Dabei haben es die beiden vor allem auf Pepsis Frito-Lay und Tropicana-Geschäft abgesehen. Auch andere Versuche, mit Allianzen seinem stärksten Konkurrenten Pepsi Marktanteile wegzuschnappen, stießen bei den Märkten auf nicht viel Gegenliebe. Nicht einmal die Marketing-Allianz mit Walt Disney, die in der vergangenen Woche verkündet wurde, konnte dem Aktienkurs nicht helfen. Gemeinsam wollen die Unternehmen Getränke für Kinder der Coca-ColaTochter Minute Maid mit Disneyfiguren vermarkten. Auf dem wachsenden Markt der Getränke ohne Kohlensäure baute Pepsi seine Position durch den Kauf von Gatorade von Quaker Oats weiter aus. Im Januar war Coca-Cola außerdem eine Allianz mit Nestlé eingegangen, um in den Markt der so genannten neuen Getränke zu stoßen.

Seit seinem Amtsantritt im Dezember 1999 hat Daft 5000 Mitarbeiter entlassen und viele Manager aus der Zentrale in Atlanta in die Niederlassungen geschickt. Daft will, dass sich Coca-Cola weiterhin auf sein Kerngeschäft der kohlensäurehaltigen Produkte konzentriert und das andere Geschäft den Allianzen überlasst. "Wir sind ein Netzwerk von Marken und Geschäftsbereichen", erklärte er. Coca-Cola soll sie zwar dirigieren, aber nicht vermischen.

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