Commerzbank : Ein geborener Banker an der Spitze

Martin Blessing führt das Institut seit Mai 2008.

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Foto: dpa

Frankfurt am Main - Der Name Martin Blessing war in Bankenkreisen schon lange vor seinem Aufstieg zum Commerzbank-Chef im vergangenen Jahr eine feste Größe. Schließlich wurde Blessing in die Bankenwelt hineingeboren: Sein Großvater Karl Blessing war 1958 bis 1969 Chef der Bundesbank, sein Vater Walter Blessing saß im Vorstand der Deutschen Bank. Martin Blessing machte nach seinem Abitur eine Banklehre bei der Dresdner Bank, dann studierte er Betriebswirtschaft in Frankfurt am Main und in der Schweiz, 1988 erwarb er in Chicago einen Universitätsabschluss.

Beruflich startete er bei McKinsey, wo er bereits mit 31 Jahren zum Partner gewählt wurde. 1997 kehrte er zur Dresdner Bank zurück und soll schon damals vorgeschlagen haben, die Dresdner Bank solle doch die Commerzbank übernehmen.

Die Dresdner Bank, bei der er den Slogan „Die Beraterbank“ mitentwickelte, erlebte in den Folgejahren einen schleichenden Niedergang, die Commerzbank stieg dagegen immer weiter auf. Auf dem Höhepunkt der Internetblase leitete Blessing im Jahr 2000 die Online-Aktivitäten einer Dresdner-Bank-Tochter (Advance Bank) und war dann auch an den schließlich gescheiterten Fusionsgesprächen mit der Deutschen Bank und der Commerzbank beteiligt.

Im Zuge der Dresdner-Übernahme durch die Versicherung Allianz im Jahr 2001 wechselte Blessing zur Commerzbank. Der damalige Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller machte ihn zum Vorstand für das Privatkundengeschäft. Dort baute Blessing mehr als 2000 Stellen ab und reduzierte das Filialnetz um fast 200 auf 790 Geschäftsstellen (2005). Damit brachte er das Segment wieder in die Gewinnzone zurück. Als Müller vorzeitig an die Spitze des Aufsichtsrates wechselte, wurde Blessing im Mai 2008 Vorstandssprecher.

Blessing, im Juli 1963 in Bremen geboren, gilt als analytischer Denker. Im Frankfurter Commerzbank-Hochhaus tritt er freundlich auf und gibt sich oft auffällig lässig. Verhandlungspartner von Blessing bescheinigen dem Commerzbank-Chef auch Härte und großes Verhandlungsgeschick, wenn es um die Sache geht. Die Staatshilfe, weswegen auch seine Bezüge begrenzt werden, versucht er mit Humor zu nehmen: „Ich kriege für November und Dezember keine Gehaltszahlung, sondern eine Lastschrift.“

Die neue Großbank wird eine ganze Weile brauchen, um die milliardenschweren Rettungshilfen mit Zinsen zurückzahlen zu können. Bei seiner Arbeit kann er auf Unterstützung in seinem weit verbreiteten Netzwerk setzen. Und zu Hause sitzt neben den drei Töchtern mit Ehefrau Dorothee eine Investmentbankerin von Goldman Sachs, die zudem Tochter des früheren Chefs der Bank für Gemeinwirtschaft, Paul Wieandt, ist. dpa

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