Commerzbank-Vorstand Mandel : "30 Millionen Deutsche werden ihre Bankfiliale verlieren"

Die Commerzbank rechnet damit, dass bundesweit noch etliche Bankfilialen schließen werden. Die bundesweit zweigrößte Geschäftsbank selbst möchte dagegen Niederlassungen eröffnen.

Commerzbank-Manager Michael Mandel ist seit Ende 2010 verantwortlich für die Privatkunden, seit Mai 2016 auch für Unternehmerkunden.
Commerzbank-Manager Michael Mandel ist seit Ende 2010 verantwortlich für die Privatkunden, seit Mai 2016 auch für...Foto: Commerzbank

"Unseren Prognosen zufolge werden in den nächsten Jahren 30 Millionen Bankkunden in Deutschland ihre Bankfiliale verlieren", sagte Privatkundenvorstand Michael Mandel im Interview mit dem Tagesspiegel - nachzulesen in der Ausgabe am Montag. Die Commerzbank selbst will gegen den Trend an ihren 1000 Zweigstellen festhalten. "Wir freuen uns sehr, dass die anderen sich aus dem Markt zurückziehen", sagte Mandel. "Das verschafft uns neue Spielräume für Wachstum."

Daher wolle er "der Massenschließungspanik vieler Wettbewerber bewusst etwas entgegen setzen". Mandel sagte: "Ich kann mir sogar vorstellen, dass wir an ausgewählten Standorten noch neue Filialen aufmachen – etwa in Hamburg, München, Bremen oder Berlin."

Kein Negativzins für "Kleinsparer"

Einen Negativzins für Kleinsparer schließt Mandel aus. "Es gibt in unserem Haus keine Überlegung, im breiten Privatkundengeschäft negative Zinsen einzuführen." Das sei nicht vermittelbar. "Ich könnte meiner Familie nicht erklären, warum sie auf einmal dafür zahlen soll, Erspartes bei der Bank zu parken, wo sie das Geld doch auch einfach zu Hause in der Spardose liegen lassen könnte."

In dem Interview wies Mandel zudem die anhaltende Kritik am Bezahldienst Paydirekt zurückgewiesen. "Inzwischen nutzen mehr als eine Million Kunden Paydirekt. Gleichzeitig bieten bereits fast 1000 Onlinehändler das Bezahlverfahren an. Das ist ein großer Erfolg", sagte der Vorstand. Paydirekt ist ein Onlinebezahlverfahren, das die deutschen Banken und Sparkassen gemeinsam als Alternative zu Paypal entwickelt haben. Immer wieder wird kritisiert, dass es auch zwei Jahre nach dem Start noch zu wenige Verbraucher nutzen.

Mandel sagte: "Wenn jemand ernsthaft glaubt, wir könnten über Nacht Anbieter ausstechen, die über 20 Jahre am Markt sind, ist das lächerlich." Viele Konkurrenten, die zeitlich mit einem Bezahlverfahren gestartet seien, seien längst wieder vom Markt verschwunden. "Unseres gibt es dagegen noch, es funktioniert technisch einwandfrei, ist einfach und sicher", sagte Mandel. "Von daher bin ich fest davon überzeugt, dass Paydirekt eine Erfolgsgeschichte wird."

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