Wirtschaft : Comroad erwägt rechtliche Schritte gegen die KPMG

Der Bilanzskandal bei dem Telematik-Anbieter Comroad könnte auch für die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG ein juristisches Nachspiel haben. Die neue Geschäftsführung von Comroad prüft derzeit rechtliche Schritte gegen KPMG. Die Prüfer hätten die Bilanzen jahrelang anstandslos testiert und nicht gemerkt, dass seit 1998 wahrscheinlich fast der komplette Umsatz frei erfunden war, sagte ein Comroad-Sprecher am Mittwoch in München. Die Ehefrau des Comroad-Gründers Bodo Schnabel darf trotz der Vorwürfe vorerst im Aufsichtsrat des Unternehmens bleiben: Das Landgericht München erklärte die Abberufung in einer einstweiligen Verfügung für unwirksam.

Am Dienstag war bekannt geworden, dass die Comroad-Bilanzen vermutlich schon seit 1998 fast ausschließlich aus Luftbuchungen mit einem Unternehmen in Hongkong bestanden. Bei den knapp 30 Mitarbeitern hat das Zwischenergebnis der Sonder-Wirtschaftsprüfung nach Angaben des Comroad-Sprechers für Empörung gesorgt. "Wir stehen alle unter Schock." Auf das Urteil von KPMG hätten sich sowohl die Mitarbeiter als auch Analysten und Aktionäre verlassen. "Von Wirtschaftsprüfern erwartet man doch, dass sie einen Gegencheck machen", sagte er. Der wirtschaftliche Schaden, der Comroad durch die lange Zeit unbemerkten Bilanzfälschungen entstanden ist, sei enorm. Den Abschlussbericht der Sonderprüfung will die Gesellschaft Rödl & Partner im Mai vorlegen. An der Grundaussage dürfte sich voraussichtlich aber nicht mehr viel ändern, sagte ein Sprecher. Unterdessen kündigte KPMG-Vorstandssprecher Harald Wiedmann im Handelsblatt an, dass alle 45 von den KPMG-Prüfern bereits kontrollierten und testierten Firmenbilanzen am Neuen Markt nochmals unter die Lupe genommen werden sollen. Von einer rückwirkenden Kontrolle wäre etwa jedes siebte Neue-Markt-Unternehmen betroffen.

Comroad-Gründer und Ex-Chef Bodo Schnabel sitzt wegen des Verdachts des Kursbetruges in Untersuchungshaft. Auch gegen seine Frau wird ermittelt. Der Aufsichtsrat wollte sie aus dem Kontrollgremium abberufen. Da sie jedoch bei der Aufsichtsratssitzung nicht mit abgestimmt hatte, als ihr Mann abberufen wurde, protestierten ihre Anwälte mit Erfolg vor Gericht gegen diese Entscheidung.

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